Kürzlich sprach ich auf einer Veranstaltung mit einem Teamleiter, der meinte: „Bei uns gibt es gar keine Lernkultur. Lernen kommt dran, wenn alles andere erledigt ist. Und das ist fast nie der Fall.“ Auch das ist eine Form der Lernkultur. Sie zeigt, welchen Wert Lernen im Unternehmen hat. Der kann hoch sein, stark ausgeprägt oder das Gegenteil. Wenn Sie die Aussage hören „So ist das bei uns, jeder Mitarbeiter besucht eben ein Seminar pro Jahr“, dann haben Sie einen Eindruck, wie Lernen wahrgenommen wird.

Gerade Lernen steht bei den TOP 10 der Skills des World Economic Forums an zweiter Stelle. Damit ist die Kompetenz gemeint, sich selbst etwas beizubringen. Die Betonung liegt hier tatsächlich darauf, selbst und eigenständig zu lernen. Denn aus Seminaren kommt leider nicht so viel im beruflichen Alltag an, es sind gerade mal 10-15 %.

Wenn Lernende sich jedoch selbst etwas beibringen – und dazu Feedback erhalten oder das Gelernte weitergeben, ist der Transfer wesentlich höher. Denn erst im Austausch mit anderen Lernenden steigt das Verständnis und damit die Behaltensquote – im Idealfall auf 75%! Das ist enorm, oder? Nur über Inhalte zu reden ist zu wenig. Wenn Sie gemeinsam reflektieren und hinterfragen und die Umsetzung im Alltag besprechen, das wirkt intensiv. Also, wie können Sie das in Ihrem Alltag einbauen?

Das passt, denn unser Gehirn ist eine Lernerfahrungsplattform (den Begriff habe ich aus einem Vortrag von Martin Korte, Neurowissenschaftler aus Braunschweig). Unser Gehirn lernt das, was bedeutsam und sinnvoll ist. Gleichzeitig spielen die Beziehungen – also das Lernumfeld – eine entscheidende Rolle, damit das Lernen erfolgreich ist und sich gut anfühlt. 

Lernen bedeutet schließlich, sich selbst weiterzuentwickeln. Das ist ebenfalls ein Grundbedürfnis unseres Gehirns. Es ist wichtig, um sich auf die Zukunft mit all ihren Möglichkeiten vorzubereiten. Eine Schonung des Gehirns ist genauso unsinnig wie der Wunsch,  zu alten Gewohnheiten zurückzukehren.

Eine Lernkultur hat jedes Unternehmen – oder nicht?

Welchen Wert hat Lernen?

Zuerst einmal werfen wir einen Blick auf das Lernen im Alltag. Wie sieht es bei Ihnen im Unternehmen aus? Abseits von Seminaren, im tagtäglichen Tun?

Hier habe ich ein paar Fragen zur Anregung. So bekommen Sie einen Eindruck welchen Wert Lernen bei Ihnen hat.

Wenn Sie noch weitere Ideen haben, freue ich mich über eine Rückmeldung unter mail@margit-reinhardt.de

  • Wie wird im Team oder im Unternehmen über das Lernen gesprochen?
  • Wird überhaupt darüber gesprochen? 
  • Wie gewünscht und vor allem anerkannt ist Lernen im Arbeitsalltag?
  • Welche Art des Lernens wird bei Ihnen unterstützt und gefördert? 
  • Können Sie sich zurückziehen, um sich in ein neues Thema einzulesen? 

Spielräume für Lernentscheidungen

Eine positive Lernkultur fördert die Entwicklung der Menschen, damit diese mit Neuem und Veränderungen gut klarkommen. Gegenseitige Unterstützung, ein gutes Miteinander ist natürlich die Voraussetzung. Gerade gemeinsame Lernerlebnisse können Vertrauen fördern. Nur so können Fehler als Teil des Lernens verstanden werden. Auf dieser Basis kann wiederum Neues ausprobiert werden. Dazu gehört ebenso ein Lernverständnis, das Spielraum für Lernentscheidungen schafft. 

Gemeinsame Lernerlebnisse unterstützen und fördern

Gibt es Anreize zum Lernen oder eine Anerkennung für das Lernen? Besteht Lernen aus Selbstlernkursen oder der Bereitstellung eines LMS? Die größte Motivation entsteht durch Eigeninitiative und Lernlust. Oder dadurch, dass Wissen mit- und untereinander geteilt wird. Das wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus. Die Folge ist die Stärkung der Selbstwirksamkeit und der Resilienz der Mitarbeiter. Genau das brauchen wir jetzt und in Zukunft. 

Es macht was aus, wie Sie selbst über das Lernen denken

Wenn über das Lernen gesprochen wird, ist das eher positiv oder ist es ein Muss? Gibt es einen Austausch darüber, was der Lernbedarf im Team ist? 

Genau das könnte der erste Schritt sein. Sie sammeln Lernideen, notieren diese auf einem Board und Gewichten, was Sinn macht oder was notwendig ist. Welche Herausforderungen kommen auf Sie zu? Wie können Sie sich am besten darauf vorbereiten? Um eine stetige Entwicklung zu fördern oder um mit den vielen Veränderungen klarzukommen, steht Lernen an erster Stelle. 

Als nächstes könnten Sie schauen, wer im Team bereits über welche Grundkenntnisse verfügt. Um die Lernmotivation zu unterstützen, könnten Sie darüber sprechen, wer im Team was in den letzten 6 Monaten gelernt hat. Was mit dem Wissen getan oder erreicht wurde. Oder es geteilt wurde. 

Eine Chance, die Lernkultur in Ihrem Team auf ein neues Level zu bringen. Gerne unterstütze ich Sie dabei, etwa mit meiner Lernreise. 

Konkrete Umsetzung in die Praxis

Lernen im Austausch

Gibt es für jeden Mitarbeiter eine Lernzeit pro Woche oder Monat? Etwa eine Stunde, in der einfach mal gelernt werden darf? Stellen Sie sich vor, Sie haben endlich Zeit, um sich mit einem guten Gewissen einem spannenden Thema zu widmen, für das sonst keine Zeit übrig bleibt. Ein Thema, das für die Zukunft wichtig sein kann. Dazu gehören auch Freiräume, in denen Sie isch mit anderen austauschen.

 

Austausch am Kanban-Board

Es dauert, nicht nur vielleicht, sondern eher sicher

Regen Sie den Lernerfahrungsaustausch an. Stellen Sie sich darauf ein, dass es eine Weile dauern kann, bis die Offenheit und das Vertrauen dazu wachsen.Ich vermute mal, dass jeder Lernende schon mindestens eine demotivierende Lernerfahrung erlebt hat. Das kann das Gefühl von ‚Ich glaube, das kapiere ich nie!‘ sein. Schlimmer, wenn ein Lernender sich vor anderen blamiert fühlt oder vorgeführt wird. Das ist eine Prägung, die gar nicht bewusst sein muss, aber eine lang anhaltende Wirkung hat.

Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie als Führungskraft oder als Kollege mit anderen Lernenden zusammen sind. Es gibt sicherlich Mitarbeiter, die nicht lernen wollen und es gibt Lernende, die nicht anders können. Hilfreich ist es allemal, hinter die Kulissen zu schauen, was trotzdem möglich sein kann.

Wie ist die Wertschätzung?

Wer weiß was und wie kann dieses Wissen andere bereichern und inspirieren?

Fragen Sie doch mal neugierig nach, mit welchen Themen sich Kollegen gerade befassen. Vielleicht sind Sie sich gar nicht immer bewusst, was sie gelernt haben. Rücken Sie das Lernen in ein neues und attraktives Licht. Geben Sie selbst Feedback.

Eine wertschätzende Haltung ist fast immer eine gute Basis. Eine andere Möglichkeit, die zu mehr Selbstwirksamkeit von Lernenden führt, ist ein individuelles Lerncoaching.

Reflektieren und Erfolge feiern!

Formales Lernen durch Seminare und E-Learnings sind akzeptiert. Die Mitarbeiter sind in der Regel nicht am Arbeitsplatz, können also nicht gestört werden. Sie kommen mit einer Teilnahmebestätigung zurück, es wird also sinnvoll gewesen sein. Was davon im Arbeitsalltag ankommt, wird selten nachgefragt oder die Umsetzung wird nur wenig unterstützt.

Machen Sie es anders. Sammeln Sie Ideen, wie das eigenständige Lernen die Anerkennung erhält, die es verdient. Es könnte den Lerner der Woche oder des Monats geben. Oder Badgets für kontinuierliche Lerner. Oder für die, die neu starten. Am Ende könnte ein Buchgutschein zur Verlosung stehen. Im Intranet können Lernende von ihren Erfahrungen und den Umgang mit Lern-Hindernissen berichten.

Jeder hat dabei eine Vorbildfunktion – jeder Einzelne, doch insbesondere Teamleiter und Führungskräfte!

Wie lernen Sie – als Kollege, Teamleiter oder Führungskraft? 

Wie halten Sie persönlich es mit dem Lernen? Ich bin davon überzeugt, dass jeder eine Einflussmöglichkeit hat. Gemeinsam ist es natürlich leichter. Sie können das Lernen Ihrer Kollegen und Mitarbeiter wesentlich unterstützen und fördern, wenn Sie selbst ein Lernvorbild sind. Das bedeutet: sprechen sie über Ihre eigenen Lernerfahrungen!

  • Berichten Sie von einem Buch, das Sie gerade lesen
  • Oder von einem Video, mit dem Sie ein Problem lösen konnten
  • Erzählen Sie Interessantes von einer Konferenz, auf der Sie waren
  • Gestehen Sie ein, dass es so komplexe Themen gibt, dass Sie selbst so schnell nicht mehr durchblicken
  • Oder wie Sie mit gähnend langweiligen Themen umgehen, die aber notwendig sind
  • Mit den ‚Learnings der Woche‘  können Sie ein Meeting beenden (oder mit der Frage der Woche, was Sie beschäftigt hat)
  • Bei der Gelegenheit darf jeder zu Wort kommen, der möchte

Hier hätten Sie sicherlich sehr aufmerksame Zuhörer. Gleichzeitig zeigen Sie, dass Lernen tatsächlich einen Stellenwert hat. Dass es sich lohnt, darüber zu sprechen. So wird es anderen leichter fallen, ihr Wissen weiterzugeben. Denn in manchen Betrieben ist Wissen immer noch ein Machtinstrument – wer es hat, gibt es nicht gerne her. Dabei können alle voneinander lernen. Azubis von den Erfahrenen und umgekehrt. Es könnte manchmal so vieles leichter sein!

Ein Blick auf Ihre Lernkultur

Wollen Sie einen Blick von aussen auf Ihre Lernkultur werfen? Oder Anregungen, wie Sie die Lernkultur im Unternehmen verändern können?

Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir: mail@margit-reinhardt.de

 

 

Ein Problem löst keine Begeisterung aus, das ist klar. Sicherlich kommt es auf die Dimension an. Wenn der Bildschirm plötzlich schwarz ist, haben Sie ein mittelgroßes bis großes Problem. Wenn Maschinen ausfallen oder eine nicht geplante Reparatur notwendig ist, ist das ebenfalls ein Problem. Auch, wenn Sie mit Kollegen Konflikte haben oder Anfragen nicht beantwortet werden. All das kann nerven, einen Schrecken oder in der Folge Unsicherheit auslösen. Bekomme ich es wieder hin? Wer kennt das Problem, wen kann ich fragen?

Was im Hintergrund abläuft, also in Ihrem Gehirn, das ist ein Lernprozess. Lernen im Alltag nenne ich das, offiziell heißt es informelles Lernen.

Schauen Sie hinter die Kulissen Ihres Lernens und was das informelle Lernen mit Ihrer Selbstwirksamkeit zu tun hat.

Lernen bedeutet, Probleme zu lösen

Während es Arbeitstages gibt es viele Situationen, wo Sie Ihr bestehendes Wissen neu oder ganz flexibel anpassen und einsetzen. Eine Kundenanfrage, die es so speziell noch gar nicht gab. Sie recherchieren, wägen ab und können die Frage schließlich zur hörbaren Zufriedenheit des Kunden beantworten. 

Oder ein Meeting, in dem über eine neue Anschaffung diskutiert wird. Die ist aus Ihrer Sicht längst fällig und Sie sind mit einem Kollegen für die Erstellung der genauen Anforderungen zuständig. Denn das könnte für Sie und Ihre Kollegen in Zukunft viele Abläufe wesentlich verbessern! Mit Elan gehen Sie die Aufgabe an. 

Der Kollege, den Sie an seiner Maschine im Bedarfsfall vertreten sollen. Ab und zu haben Sie das schon gemacht, aber das ist schon länger her. Was hat sich verändert, worauf sollen Sie achten? Das ist mit etwas Aufregung verbunden, gleichzeitig freuen Sie sich über die Abwechslung.  

Tatsächlich lernen Sie fast ständig

Ganz nebenbei möchte ich Ihnen hier die verschiedenen – auch unbemerkten – Lerngelegenheiten mit dem 70:20:10 Modell nach Charles Jennings vorstellen. 

70% dessen, was Sie lernen, passiert sozusagen nebenbei. Es ist Ihnen meistens nicht bewusst. Das beginnt mit dem Weg zur Arbeit, wo quasi über Nacht eine neue Baustelle entstanden ist. Sie überlegen: ‚Wo fahre ich jetzt am besten lang? Folge ich der Umleitung oder habe ich eine (hoffentlich) bessere Idee?’ Schon das ist Nebenbei-Lernen.  Entweder nutzen Sie flexible Ihre Ortskenntnis oder Ihre Ortskenntnis wird erweitert. Was dazugehört, ist der Umgang mit der Situation. Sind Sie genervt oder bleiben Sie gelassen?

Das Lernen im Alltag mit dem 70:20:10 Modell

Das Lernen im Alltag mit dem 70:20:10 Modell

Arbeitsplatznahes Lernen

Es gibt ein Problem oder eine Herausforderung. Vielleicht gehören Sie dabei zu denen, die erst einmal selbst ausprobieren, um weiterzukommen. Wenn das nicht klappt, recherchieren Sie auf YouTube oder in der Wissensdatenbank. Wenn Sie dort ein Video finden, gucken Sie sich etwas ab. Vielleicht schauen Sie auch einem Kollegen über die Schulter. Oder Sie fragen gleich direkt nach, wie bei der Kundenanfrage, die es so noch nicht gab. 

Wenn es um das Beispiel der Anschaffung geht, überlegen Sie erst einmal für sich, was diese aus Ihrer für Anforderungen erfüllen muss. Danach setzen Sie sich mit Kollegen zusammen und fragen nach deren Bedarf oder Sichtweise. 

Wenn Sie im Fall der Vertretung die Maschine bedienen sollen, könnten Sie zuerst einmal zuschauen. Oder im Handbuch nachblättern. Wenn Sie selbst wieder an der Maschine stehen, könnten Sie den Kollegen nach Feedback fragen. Fällt ihm etwas auf, was Sie übersehen oder besser machen können? 

Stärkung der Selbstwirksamkeit

Das, was Sie im Alltag neu gelernt haben, wenden Sie an. Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen sind gewachsen. Meistens passiert das so nebenher, ohne dass es Ihnen bewusst ist. Eine typische Begleiterscheinung des informellen Lernens. 

Doch Sie könnten sich nach einer neuen Aufgabe oder nach dem Lösen eines Problems fragen:

  • Was kann ich jetzt besser? 
  • Was ist jetzt leichter als vorher?
  • Was geht jetzt schneller oder flüssiger?
  • Wo fühle ich mich jetzt viel sicherer?
  • Womit komme ich besser klar?
  • Wo ist es KollegInnen aufgefallen, dass Sie das jetzt können? 

Eine gute Voraussetzung für die nächste Herausforderung. Sie trauen sich mehr zu. Wahrscheinlich fällt das auch anderen auf. Ihrem Teamleiter oder Ihrer Führungskraft. Sie bekommen andere Aufgaben. Oder solche, die vielfältiger sind. Das sind wiederum neue Lerngelegenheiten. 

Selbstwirksamkeit stärken

Stärkung der Selbstwirksamkeit

Motivation durch Wertschätzung für das eigene Lernen

Reflektieren Sie doch mal eine Woche lang am Arbeitsende, was Sie an diesem Tag gelernt haben. Was haben Sie neu ausprobiert, welches Problem konnten Sie lösen? Welche Frage konnten Sie beantworten, zu der Sie erst einmal selbst recherchieren mussten?

Denn – ganz ehrlich – ohne Lernen kommen Sie gar nicht durch den Tag. Diese kleinen ‚Learnings‘ werden von vielen Lernenden gar nicht wahrgenommen. Unter Lernen verstehen wir oftmals die anstrengenden, langen Phasen des Lernens. Auf einen Abschluss hin oder wenn Sie isch in ein ganz neues Thema einarbeiten. Das ist das bewusste Lernen, das in der ganzen Lernbiografie insgesamt nur einen kleinen Teil einnimmt. 

Ja, reflektieren Sie Ihr Lernen – nur mal eine Woche lang. Sie werden feststellen, dass da eine ganze Menge zusammenkommt. 

Lernen im Austausch

Zu etwa 20% findet Lernen im Austausch statt. Sie wissen, dass sich ein Kollege prima mit einem Programm auskennt, dass Sie nur selten nutzen. Also fragen Sie nach, wenn Sie nicht weiterkommen. Umgekehrt sind Sie gefragt, wenn es um neue Regelungen geht, weil Sie jeden Tag damit zu tun haben. Ein Praktikant kommt in Ihre Abteilung, der Fragen hat, die Sie überraschen und sogar Ihren Blickwinkel verändern. ‚So habe ich das noch nie gesehen, hm, da ist was dran!‘ Umgekehrt können Sie vom aktuellen Wissen des Praktikanten oder Studium oder der Ausbildung profitieren. 

Beim Mittagessen sitzen Sie mit Kollegen aus einer anderen Abteilung am Tisch. ‚Sag mal, wie ist es denn bei Euch mit der neuen Strategie?‘ Auch das ist Lernen, weil Sie Ideen und Hinweise bekommen, wie andere mit einer neuen Situation umgehen.

Ohne Freiräume und Gelegenheiten zu Austausch kann das Lernen voneinander nicht stattfinden. Da werden in der Teeküche Tipps ausgetauscht oder am Kopierer eine Geschichte erzählt, die wichtige Informationen enthält, die so in keinem Handbuch stehen. Oder im Besprechungsraum Fachjournale durchgeblättert. Natürlich gehört das auch zum Lernen dazu. Wer solche Gelegenheiten mit ‚Sonst habt Ihr nichts zu tun?‘ abwürgt, braucht sich über mangelnde Lernbereitschaft nicht (mehr) zu wundern.  

 

Nebenbei-Tipp für Führungskräfte

Lernchancen und Lernmotivation können gefördert werden, indem Lernen und auch das Nicht-gleich-sofort-wissen-und-gelingen ganz selbstverständlich thematisiert werden. Laden Sie als Teamleitung oder Führungskraft dazu ein, Fragen zu stellen. Zuerst aber zeigen Sie selbst, was Sie gerade lernen oder gelernt haben und wie Sie dabei vorgegangen sind. 

Tätigkeiten, die sehr eindimensional sind, bieten leider kaum Lernanlässe. Schade, denn dann kann es sein, dass diese Mitarbeiter sich weniger zutrauen. Sie erleben sich weniger selbstwirksam. Wie können solche Tätigkeiten abwechslungsreicher gestaltet werden? 

Im privaten Umfeld ist Lernen etwas ganz anderes!

Selbst die Mitarbeiter, die eindimensionale Tätigkeiten ausführen und sich im Beruf womöglich wenig Neues zutrauen, im privaten Alltag lernen fast alle, ganz selbstverständlich. Das sind die Erzählungen der Kinder aus der Schule, Freunde berichten von ihren Urlaubserlebnissen. Ihr Partner oder Ihre Partnerin hat einen Konflikt erlebt und möchte Ihre Meinung hören. Sie hören Nachrichten, lesen ein Fachjournal oder schauen sich eine Sportsendung an. Schließlich recherchieren Sie zu den Möglichkeiten der Konfliktbewältigung im Internet weiter. Sie wollen mehr darüber wissen und lernen dabei, ohne dass es Ihnen direkt bewusst ist. 

Vielleicht können Sie dieses Wissen schon am nächsten Tag bei der Arbeit anwenden?

Jetzt wird es doch noch anstrengend: das formale Lernen 

Jetzt bleiben nur noch die 10% aus dem Modell übrig. Das ist das, was wir meistens mit Lernen verbinden. Ein E-Learning, das für alle in der Abteilung durchlaufen werden soll. Eine ganze Seminarreihe zu Führungsthemen. Neue Abläufe durch die Digitalisierung oder eine ganze Serie von Fachartikeln, die Sie lesen sollten. Dieses Lernen fühlt sich oft anstrengend an. Auf einmal wird Ihnen bewusst, dass Ihr Gehirn ziemlich viel zu leisten hat.

Was haben Sie nun davon? 

Diese 70:20:10 Aufteilung trifft für Sie vielleicht gar nicht zu. Entweder sind es 80:15:5 oder 60:30:10. Darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass Sie tatsächlich täglich lernen, wenn Sie ein Problem lösen oder eine Herausforderung bewältigen. Sie bleiben fit für das Lernen. Aber das Schönst ist, dass Sie Ihre Selbstwirksamkeit damit stärken. 

Das fühlt sich gut an und wappnet Sie für das, was noch an Veränderungen kommen mag. 

Was können Sie sich von Ihrem eigenen Lernen abgucken?

 

Wenn Sie mal hinter die Lernkulissen des täglichen Lernens gucken wollen, hier einige Anregungen dazu: 

Wenn Sie für sich allein am Problem getüftelt haben:

  • Welches Nebenbei-Lernen habe ich fast nicht bemerkt? 
  • War es tatsächlich so leicht?
  • War es für eine Herausforderung, die mich erst recht angespornt hat? 
  • Wo war ich erst einmal kurz blockiert und habe doch eine Lösung gefunden? 

Wenn Sie für sich mit Kollegen ausgetauscht haben:

  • Wie schnell frage ich Kollegen (statt es selbst zu probieren)?
  • Kenne ich die Kollegen so gut, dass ich weiß, wen ich frage und wen nicht?
  • Wo gibt es gute Gelegenheiten, andere um Unterstützung zu bitten (ohne sie zu stören)?
  • Was kann ich im Gegenzug für die Kollegen tun?

Wenn Sie doch ganz bewusst und formal gelernt haben:

  • War das bewusste Lernen geplant oder wurde es im Laufe der Herausforderung notwendig?
  • Welche Strategie habe ich angewendet, um mir die Inhalte zu merken?
  • Kann ich mir von meinem Nebenbei-Lernen oder Austausch-Lernen etwas für das bewusste Lernen abgucken, damit es leichter wird? 

Denn das Reflektieren über das Lernen ist etwas, was oft zu kurz kommt. Oder meistens gar nicht stattfindet. Dabei ist das eine Chance, womit Sie Ihr Lernen sowohl leichter als auch abwechslungsreicher gestalten können. Da macht Ihr Gehirn liebend gerne mit und es bleibt auch mehr hängen.

Wenn Sie mehr wollen

Wenn Sie mehr über das Lernen und Reflektieren erfahren und erleben wollen:

Ein Lerncoaching ist ein individuelles Format, mit dem Sie sich und Ihr Lernen intensiv ansehen.

Zusammen mit Ideen, wie Sie es sich leichter machen können, damit Lernen gelingt!

Oder Sie buchen für Ihre Mitarbeiter die agile Lernreise oder wir kommen einfach ins Gespräch darüber, was Sie jetzt brauchen können.

Schreiben Sie mir doch, ich freue mich auf einen Austausch mail@margit-reinhardt.de

 

 

 

Wann waren Sie das letzte Mal einen ganzen Tag auf einem Seminar? Wie gut sind Sie danach drangeblieben? Was haben Sie alles umgesetzt von dem, was Sie an Neuem kennengelernt haben? Zurück im Büro galt es erst einmal, die vielen Mails abzuarbeiten, an Meetings teilzunehmen und die üblichen Tagesaufgaben abzuarbeiten.

Wann hatten Sie die Gelegenheit, das im Seminar Gelernte anzuwenden? Zumindest eine Kleinigkeit davon, denn wenn Sie zu lange warten – haben Sie es vergessen oder können sich nur noch schemenhaft daran erinnern. Ob Sie das ehemals Gelernte noch sicher anwenden können? Eher nicht. Das mit dem dranbleiben ist nicht selbstverständlich, aber machbar!

Was tun? Planen Sie schon vorab die Umsetzung!

Bleiben Sie nach der Weiterbildung im Austausch mit anderen Lernenden. Idealerweise haben Sie im Seminar schon eine Vereinbarung getroffen, an welchen Themen Sie auf jeden Fall weiter dran bleiben wollen. Wenn Sie sich mit anderen weiter austauschen, bleiben Sie viel leichter dran. Sie wissen ja, in zwei Wochen werden Sie sich virtuell treffen und sich gegenseitig berichten und offene Fragen klären. Denn jeder hat ein unterschiedlich tiefes Vorwissen mitgebracht, schließlich ein anderes Verständnis von den Inhalten und Sie werden die Inhalte anders in Ihren Berufsalltag integrieren. 

Oder Sie bleiben danach selbstorganisiert in kleinen Lerneinheiten dran. So wie ein Snack zwischendurch. Zum Beispiel vor oder nach Ihrer Kaffeepause. Für 15 oder 20 Minuten. So bleiben die Lerninhalte aktiv und viel besser noch – Sie verankern Ihr neu erworbenes Wissen viel tiefer, wenn Sie sich weiter damit beschäftigen.

Kaffeepause und Lernen

Eine andere Möglichkeit besteht darin, das neue Wissen an KollegInnen weiterzugeben. Etwa im nächsten Teammeeting oder im monatlich stattfindenden Barcamp. Hier hat zum Beispiel jeder die Chance, Neues und Interessantes vorzustellen. 

In allen Fällen werden Sie erleben, wie Sie das Gelernte viel tiefer und nachhaltiger abspeichern und sich so vielfältig daran erinnern können. 

Mein Tipp für Sie – wie ich es mache

Ich war vor einigen Wochen ebenfalls auf einer Weiterbildung, ganze 5 Tage lang. Zum Thema Mindful@Work, was Stressbewältigung, Achtsamkeit und Meditation beinhaltet, um 3 Schwerpunkte zu nennen. Das Seminar fand im Rahmen des jährlichen Metaforum Sommercamps im Kloster San Marco in Italien statt. Mit der wunderbaren Trainerin Birgit Mogler, die uns durch die Tage begleitet hat. 

Kloster San Marco Metaforum

Zuvor hatte ich mir ein Ziel gesetzt: Vertiefen meiner Kenntnisse und Auffrischen meiner Achtsamkeits- und Meditationsgewohnheiten. Wobei ersteres sowieso schon Teil meines Alltags ist. Indem ich statt in Wartezeiten gleich das Smartphone aus der Tasche zu holen, erstmal um mich herum schaue oder einfach meinen Atem wahrnehme. Oder wenn ich draußen bin, einfach mal stehenbleibe und alles um mich herum intensiv wahrnehme. Genau schaue, hinhöre, rieche und die Atmosphäre um mich herum wahrnehme. *

Tägliches Tun im Alltag

Die Meditation wieder zu einer täglichen Angewohnheit zu machen, das ist schon mehr eine Herausforderung. Manchmal vergesse ich es einfach, weil so vieles andere zu tun ist. Aber das ist inzwischen seltener der Fall. Ich habe erneut gemerkt, wie gut es mir tut. Es wirkt sich auf meinen Alltag aus, indem ich ruhiger und innerlich gelassener bin. 

Natürlich hilft mir das Fotoprotokoll und die Erinnerungen an die intensiven Gespräche. Ersteres schaue ich häufiger an und knüpfte damit wiederum an den Austausch in der Gruppe an. Im Moment bin ich guter Dinge, dass vieles davon Teil meines Alltags wird. Sprechen Sie mich gerne nach ein paar Monaten darauf an – ich bin selbst gespannt, wie ich die Gewohnheiten festigen kann!

Aus anderen Weiterbildungen nehme ich den Austausch mit Lernpartnern mit. Insbesondere dann, wenn es eine längere Lernphase war, die zudem noch online stattgefunden hat. Ohne diesen Austausch und das Feedback wäre ich so nicht weitergekommen. 

Ja, auch mir passiert es, dass ich auf einem Seminar oder einer Veranstaltung war und komplett alles aus den Augen verliere. Ich ärgere ich mich, ganz klar. Und nehme mir fest vor, das nächste die Nachbereitung noch besser zu planen. Vorher, konkret und mit Zeitpuffern. 

Wie ist das bei Ihnen – was passiert nach Seminaren? Wie integrieren Sie die Inhalte in Ihren Alltag, wie verändern Sie Gewohnheiten? 

Schreiben Sie mir doch, ich freue mich auf einen Austausch mail@margit-reinhardt.de

 

 

 

Vor ein paar Wochen habe ich ein Jubiläum gefeiert. 1 Jahr ohne (eigenes) Auto. Das heißt, es steht kein Fahrzeug mehr vor der Tür, um mal schnell irgendwohin zu fahren. Ich war gespannt, wie es ist, wenn nach Jahrzehnten mit Auto – plötzlich vieles anders ist. Was macht es mit dem Verhältnis von Bequemlichkeit und Verfügbarkeit? Wie groß ist die Umstellung vom Auto auf’s Fahrrad? Ich habe mir ein Jahr Zeit für die Erfahrungen gegeben, um danach neu zu entscheiden.

Veränderung als Selbstexperiment – Tschüss Komfortzone!

Ich habe es geschafft. Nicht nur das eine Jahr, ich werde weiter dranbleiben. Natürlich bin ich einige Male wirklich komplett durchnässt zu Hause angekommen, habe im Winter gefroren und gebibbert. Aber es geht. Zum Bahnhof mit Seminarausstattung, zum Einkaufen oder zum Schwimmen. Wenn ich davon erzählt habe, kam postwendend die Entgegnung „Ja schon, das mag gehen, aber andere müssen doch zur Arbeit fahren. Das geht ja gar nicht anders!“ 

Keine Frage. Ich fahre auch zu meinen Auftraggebern und Kunden. Und wenn die mit dem Zug nicht erreichbar sind, dann steige ich ebenfalls auf Carsharing um. Für viele geht das nicht, das ist mir klar. Aber mal ganz ehrlich, ich kenne das von mir selbst doch auch: wenn ein Auto vor der Tür steht, dann geht es damit auch mal schnell zum Bäcker, zur Post oder um die Kinder zum Sport zu bringen. Die Bequemlichkeit ist einladend und verlockend.

Eigenverantwortung – leicht gesagt, aber dringend notwendig

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Es ist die Eigenverantwortung. (Diese ist übrigens ein Teil der Resilienz, der Widerstandskraft der Seele.) Eigenverantwortung ist die Überlegung, was kann ich selbst tun, wo kann ich etwas bewirken? Ich will auch in Zukunft noch in intakten Wäldern wandern, in klarer Luft. Mit dem Rauschen der Blätter im Wind, ebenso will ich das Brummen von Insekten hören und farbenfrohe Schmetterlinge bewundern. Einen kleinen Teil kann ich dazu beitragen, bei der Mobilität, aber auch in anderen Lebensbereichen. Oft höre ich die Entgegnung: „Ach, das bringt doch nichts. Das bisschen!“ Doch so wie ein Tropfen zu viel ein Fass zum Überlaufen bringen kann, so können viele (eingesparte) Tropfen etwas verhindern oder verzögern. Den nicht mehr umkehrbaren Kipppunkt beim Klimawandel zum Beispiel. Oder die Ernährungssicherheit, weltweit mit all ihren Konsequenzen.

Sind Sie ein Lern-Konsument oder ein Lern-Prosument?

Eigenverantwortung gibt es genauso beim Lernen. Kennen Sie neben dem Begriff des Konsumenten (klar!) Den des Prosumenten? Ein Konsument erwartet eine Leistung. Zum Beispiel bei einem Seminar. Das wird gebucht und der Konsument erwartet, danach mehr zu wissen und zu können. Kann klappen, ist aber kein Selbstläufer. Denn zum Können gehört Anwendung, die (leider!) oft im Alltag zu kurz kommt.

Ein Prosument ist eine Mischung aus demKonsumenten und aus einem Produzenten. Auf das Lernen bezogen bereitet dieser sich zum Beispiel auf das Seminar vor. Er oder sie überlegt: „Was mache ich aus den Inhalten, die ich kennenlerne? Was brauche ich konkret davon? Was will ich danach können, um es weiterzugeben?“ Der Prosument weiß, dass das Umsetzen der Hauptpunkt ist und nach dem Seminar oder der Veranstaltung beginnt. Er überlegt, wie das umsetzbar ist. Etwa mit einem selbst erstellten Video oder einer Sketchnote. Oder in Form eines Austauschs mit Kollegen.

Selbstgesteuert Lernen: Ich weiß, wie ich klarkomme!

Natürlich ist das weniger bequem. Es ist fast so, als ob man sich ein leckeres Essen bestellt und dann überraschenderweise die Zutaten erhält mit einigen Ideen, wie das zubereitet werden kann.

Ein Prosument braucht in Zukunft wahrscheinlich viel weniger Seminare. Er oder sie lernt selbstgesteuert, das bedeutet, sich seine Lerninhalte selbst zusammenstellen. Selbst zu planen und vor allem dranzubleiben. Zum Beispiel für einen Zeitraum von 90 Tagen. Das ist noch überschaubar und da macht es auch nichts, wenn mal was dazwischenkommt. Ganz klar, das ist kein Selbstläufer. Es ist eine Umstellung, die gleichzeitig neben der Eigenverantwortung die Selbstwirksamkeit stärkt. ‚Ich weiß, wie ich klarkommen kann.‘

Etwas neu zu lernen oder umzulernen braucht oft mehrere Anläufe. Das ist normal. Selbst mir als ‚professionelle‘ Lernerin passiert das immer wieder. So habe ich – was den Verzicht eines eigenen Autos betrifft – mehrere Anläufe gebraucht, bis die Entscheidung klar war.

Was ein Prosument sonst noch braucht und wie Sie zum Prosumenten werden können, erfahren Sie auf meiner Lernreise. Ab Herbst 2022 für Unternehmen buchbar. Mehr dazu gerne in einem persönlichen Gespräch. Schreiben Sie mir einfach eine Mail – ich melde mich bei Ihnen mail@margit-reinhardt.de

 

 

 

Habe ich Sie gerade abgelenkt? Ist Ihre Konzentration gerade auf Abwegen? Oder sind Sie neugierig, was es mit dieser Überschrift auf sich hat? Ja, darum geht es: um Ihre Konzentration. Ihre Kapazität ist begrenzt, auch wenn wir das nicht immer wahrhaben wollen. Was schätzen Sie, wie lange bleiben Sie konzentriert an einer Sache dran? Wie oft werden Sie unterbrochen oder sind selbst anfällig für Ablenkungen?

Sich aus der Arbeit rausreissen lassen, das ist bei Gefahren sinnvoll. Wenn zum Beispiel der Brandmelder losgeht und Sie schnell reagieren müssen. Im Arbeits- und erst recht im Lernalltag sind die vielen täglichen Ablenkungen und Unterbrechungen Zeit- und Energiefresser für die Konzentration. Denn diese Ressource ist begrenzt. 

Wozu Sie die knappe Ressource Konzentration unbedingt brauchen

Ohne die Fähigkeit zur Konzentration würden wir im Alltag gar nicht klarkommen. Den Tag planen, Ziele definieren, Entscheidungen treffen und Probleme lösen. Wichtiges vom Unwichtigen unterscheiden, Prioritäten setzen. Beobachten und Schlüsse daraus ziehen. Zuhören. Sich in komplexe Zusammenhänge hineindenken. Neues lernen.

All dies findet an einer elementaren Schnittstelle statt, im PFC. Das ist keine Abkürzung für einen Bodenbelag, sondern die für den Präfrontalen Cortex. Der befindet sich hinter der Stirn. Im Folgenden bezeichne ich diesen Bereich sehr vereinfacht (damit Sie Ressourcen sparen und aufmerksam dem Text folgen können) als  Stirnhirn. So klein er ist, verbraucht dieser Bereich enorm viel Energie und ist zudem schnell überlastet. Denken Sie mal an Ihr letztes Meeting, an die vielen Informationen und Gesprächsfetzen. Was ist Ihnen davon überhaupt im Gedächtnis geblieben? Nur ein kleiner Teil. Wahrscheinlich das, was Sie sich notiert haben. Oder was sehr bedeutsam für Sie war. 

Leuchtende Farben oder Grauschleier?

Das, woran Sie sich erinnern, das hat Ihr Stirnhirn besonders hervorgehoben. Es ist so, als ob das in leuchtenden Farben erscheint. Und all das andere, was auch noch in Ihrem Umfeld passiert, wird gehemmt, mit einem Grauschleier überzogen. Genau das bewirkt Ihre Konzentration: bestimmte Bereiche werden holen Sie sich klar in den Vordergrund, andere treten in den Hintergrund. Das eine wird aktiviert, das andere gehemmt. Wirklich alles wahrnehmen, was um Sie herum passiert, das geht schlichtweg nicht.

Ein Beispiel: Wenn Sie diesen Text lesen und nebenher noch ein Telefongespräch führen,  das bringt Ihr Stirnhirn ganz schnell an seine Belastungsgrenze. Was ist denn jetzt wichtig? Im ungünstigsten Fall wissen Sie noch, mit wem Sie telefoniert und dass Sie zeitgleich etwas gelesen haben. Um was es jeweils ging, das ist weg. Natürlich ist das übertrieben, denn so verhalten Sie sich ja nicht. Oder etwa doch?

Nachlassende Konzentration kostet Zeit, Geld und einen Teil Ihres IQ! 

Viele Fehler, Unachtsamkeit und Unfälle passieren aufgrund mangelnder Konzentration. Unfall- und Schadenversicherer zahlen in Deutschland jedes Jahr 60 Milliarden. Viele Unfälle passieren, weil Menschen abgelenkt, müde oder einfach mit ihren Gedanken woanders sind. Im Straßenverkehr, aber auch zu Hause. Da, wo man sich sicher fühlt. Das liegt mit daran, dass wir unsere eigenen Fähigkeiten überschätzen und die Signale für Pausen nicht rechtzeitig wahrnehmen. Oder nicht wahrnehmen wollen und die Signale schlichtweg ignorieren. 

Warum lassen wir uns bloss so einfach ablenken?

Wenn das Stirnhirn überlastet oder eben müde ist, lässt das klare Denken nach. Wir werden anfälliger für Ablenkungen. Insbesondere für etwas, entweder neu und interessant ist. Idealerweise etwas, was mit wenig Anstrengung unser Belohnungssystem aktiviert. Da ist das Handy mit den Push-Meldungen immer willkommen. Perfekt, wenn es etwas Neues, Unerwartetes oder Witziges ist. Das Gehirn schüttet Neurotransmitter wie Dopamin aus, eine kleine Dosis einer Belohnung für die Abwechslung. Dafür sind Sie besonders empfänglich, wenn die Tätigkeit langwierig oder monoton ist und Belohnungen dafür meilenweit entfernt sind.

Um Missverständnissen gleich hier vorzubeugen – selbstverständlich gibt es für konzentriertes Arbeiten auch eine Belohnung in Form von Neurotransmittern wie Dopamin (Ziel erreicht) und Endorphine. Die Freude und die Zufriedenheit, dass ein Teilschritt abgeschlossen oder ein Ziel erreicht ist. Doch wenn Sie mittendrin ein Tief haben, die Arbeit sich hinzieht, dann ist Ablenkung willkommen.

Einmal abgelenkt, braucht es wiederum ein Vielfaches an Zeit und Energie, um zur ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren. Die Forschung um Gloria Marc spricht von 23 Minuten, um wieder in die ursprüngliche Konzentration zurückzukehren. Je häufiger Sie abgelenkt oder unterbrochen werden – desto anfälliger werden Sie dafür. Das ist auf Dauer fatal, weil Sie in einem Kreislauf gelangen, der ja wieder mit ‚Belohnungen für Neues ohne Anstrengung‘ gekoppelt ist.

Mein Tipp, um Ablenkungen zu reduzieren

Wenn Sie sich konzentrieren wollen, räumen Sie möglichst viele potenzielle Ablenkungen aus dem Blickfeld. Das Smartphone gehört mit dazu! Und wenn das nicht möglich sein sollte, schalten Sie es auf lautlos. Das ist zwar nicht perfekt, aber schon etwas besser. 

Das gleiche gilt für eintreffende Mails – Teaser abschalten, minimieren, auf lautlos stellen. Ihre Konzentration spart Energie, weil sie weniger aktiv ausblenden muss. 

Multitasking ist der ultimative Energieverschwender

Doch das ist alles harmlos, gemessen an der Energieverschwendung, wenn Sie vor lauter ‚Das-muss-ich-heute-noch-alles-erledigen!‘ in den Multitasking Modus fallen. Zugegeben, es fühlt sich verdammt produktiv an, mehrere Dinge auf einmal zu tun. So effektiv und effizient! Im beruflichen und natürlich erst recht im privaten Alltag ist Multitasking für viele ganz normal. Doch für den Energiepegel Ihres Stirnhirns ist es fatal.

Multitasking funktioniert nur dann, wenn Sie tatsächlich zwei verschiedene Dinge auf einmal tun. So können Sie Radfahren und sich dabei unterhalten. Für die Bewegungsabläufe beim Radfahren ist das Kleinhirn zuständig. Ihr Stirnhirn hat freie Ressourcen für die Strecke und Sie können sich sogar mit Ihrem Mitfahrer unterhalten. Oder gar diskutieren. Bis zu dem Punkt, an dem Sie an eine Wegkreuzung kommen und entscheiden wollen, wie Sie weiterfahren. Wohl kaum jemand würde auf die Idee kommen, jetzt weiter zu diskutieren und gleichzeitig die Beschilderung zu lesen und sich neu zu orientieren.

Multitasking oder: wie oft räumen Sie Ihr Büro um?

Im Multitasking Modus merken Sie es kaum: Ihr Gehirn kann schnell umschalten, benötigt dafür aber Zeit. Um beim obigen Beispiel, dem Wechsel von Gespräch zu Orientierung der Strecke zu bleiben: Im Gespräch sind die Netzwerke in Ihrem Gehirn, die für das Sprechen zuständig sind, aktiviert. Für die Orientierung müssen diese kurz zur Seite und andere Netzwerke hervorgeholt werden. 

Die gerade noch aktiven Gesprächsnetzwerke werden dabei quasi ausgelagert, in einen Nebenraum gestellt. Wenn die Fahrt weitergeht, werden die Orientierungsnetzwerke zurück und die Gesprächsnetzwerke wieder hervorgeholt. Beides gleichzeitig hat in Ihrem Stirnhirn keinen Platz, weil die Kapazität begrenzt ist. Deswegen dieses Hin- und Her, das zwar schnell geht – Sie merken es meistens nicht – aber Energie verbraucht. 

Stellen Sie mal vor, Sie würden immer wieder etwas, was Sie für Ihre Arbeit brauchen, in einen Nebenraum stellen. Um es kurze Zeit später wieder zurückzuholen. Nicht nur einmal, sondern x-mal hintereinander.

Das braucht Zeit. So ist es mit dem Multitasking auch. Wenn Sie unterbrochen werden – oder sich selbst unterbrechen, um Mails zu checken, schnell eine WhatsApp Nachricht zu lesen oder eine andere Aufgabe dazwischenschieben, brauchen Sie bis zu 50% länger dafür und die Wahrscheinlichkeit für Fehler steigt ebenfalls um 50%! Da Ihr Gehirn fix sein kann (für Gefahren ist das überlebenswichtig!) Macht es das Tempo mit. Auf Dauer ist das Energieverschwendung, denn die fehlt an anderer Stelle.

Noch nicht überzeugt?

Doch damit nicht genug. Abgesehen vom Gefühl der Hektik und des Stresses, dem Sie sich aussetzen, sinkt Ihr Intelligenzquotient um bis zu 15 Punkte! Keine gute Basis, um noch schnell zwischendrin Entscheidungen zu treffen, oder? Oder Probleme zu lösen – die werden im besten Fall nur noch hin- und her gewälzt.

Wann sind Sie anfällig?

Beobachten Sie sich mit den diesen Fragen und notieren Sie Ihre Antworten. 

  • Was hat sich an Gewohnheiten eingeschlichen, die Ihre Konzentration torpedieren?
  • Bei welchen Gelegenheiten rutschen Sie in den Multitasking Modus? 
  • Wie lange hält das an und wie wirkt es sich auf Ihre Konzentration aus? 
  • Wann werden Sie anfälliger für Ablenkungen – oder lenken sich selbst ab, indem Sie in Gedankenschleifen geraten? 
  • Welche Ablenkungen sind Ihre Favoriten? 

5 Tipps, um die Konzentrationsenergie schnell wieder aufzubauen

Wie schon eingangs kurz erwähnt, oft überschätzen wir unsere Konzentrationsfähigkeit. Parallel dazu werden Pausensignale ignoriert ‚Geht noch!‘. Wobei schon kleine Pausen ein Gewinn sind und dem Stirnhirn die Chance geben, mal durchzuatmen. So können Mini-Pausen von 4-7 Minuten aussehen, die wirklich was bringen:

  • Einfach aus dem Fenster schauen, Gedanken loslassen
  • Den Arbeitsplatz verlassen, was zum Trinken holen
  • Bewegen, sich recken und strecken, dehnen und gähnen
  • Das Gehirn in den Leerlauf bringen, keine weiteren Inputs z.B. über das Smartphone
  • Atmen, bewusst den Atem und die damit verbundenen Bewegungen wahrnehmen, kann auch mit dem Zählen (zum Beispiel bis 5 beim Einatmen, bis 5 beim Ausatmen) verbunden werden.

Zusammengefasst

Ihre Konzentration ist wertvoll, schützen Sie Ihre Ressource, denn so viele wollen etwas davon. Jede Ablenkung, ob von aussen oder von innen, verringert Ihre Ressource. Wir überschätzen unsere Konzentrationsfähigkeit und vergessen die Pausen. Denn – anders als bei anderen Ressourcen – Ihre Konzentration kann sich wieder erholen. Das passiert in der Nacht und in den Pausen. Oder wenn Sie draussen sind und sich bewegen, wenn Sie sich entspannt unterhalten oder etwas Leckeres essen und geniessen. Oder einfach nur bewusst atmen oder meditieren (dazu gibt es viele Studien).

Was im Alltag hilft, sind Arbeitsrituale. Die Arbeitspakete mit überschaubarem Umfang, sowohl inhaltlich als auch zeitlich. So, dass Sie Ihnen bewusst ist, dass Sie vorankommen.

Produktivität ist das eine, Zufriedenheit das andere. Und wenn Sie sogar in den Konzentrations-Flow kommen und gar nicht merken, wie die Zeit vergeht, dann werden Endorphine ausgeschüttet, Sie fühlen sich gut. Zufriedenheit ist fast schon garantiert.

Übrigens, in eigener Sache

Bei der Recherche zu diesem Blogartikel ist mir aufgefallen, dass ich den ersten bereits 2018 geschrieben habe! Ich bin auf das Thema gekommen, weil Lernende immer wieder mit ihrer Konzentration hadern. Oft, weil das Lernen so langweilig und öder empfunden wird. (Das geht auch anders und ist Thema eines anderen Seminars.)

Inzwischen leidet die Konzentration derart unter Ablenkungen, die sich in unseren Alltag geschlichen haben, dass es Zeit ist, sich die Aufmerksamkeit wieder zurückzuholen!

Wenn Sie Ihre Konzentration stärken wollen, hier geht es zum Inhouse-Training. Online mit Transferbegleitung, damit Veränderungen wirksam werden.

(Auch ein reiner Onlinekurs ist geplant…. der braucht aber noch Zeit, weil sich andere Projekte mit noch mehr Priorität in die Pipeline geschoben haben! Da geht es ums Lernen – ohne Konzentration läuft da nichts!)

Wenn Sie mehr über mein Seminar wissen wollen, schreiben Sie mir: mail@margit-reinhardt.de

 

 

 

Vor 6 Monaten habe ich die Chance genutzt. Nachdem der Leasingvertrag für mein Fahrzeug ablief, beschloss ich, jetzt ohne eigenes Auto zu leben. Stattdessen nutze ich vermehrt die eigenen Füsse, das Fahrrad und wenn es gar nicht anders geht – Carsharing. Keine Frage, ein eigenes Auto ist praktisch und hat viele Vorteile (und kann notwendig sein). Doch in einer Zeit, in der wir mit so vielen Veränderungen konfrontiert sind, brauchen wir ist die Fähigkeit, flexibel reagieren zu können. Wie Sie im Alltag Ihre Agilität und Denkflexibilität stärken können, erfahren Sie hier. Weiter unten finden Sie 5 leicht umsetzbare Tipps. Egal, ob mit oder ohne Fahrzeug!

Die Crux mit den voreingestellten Radiosendern 

Oft ist es so, dass ich ganz unterschiedliche Fahrzeugtypen fahre. Eben das, was im Carsharing aktuell zur Verfügung steht. Jedesmal ein kurzer Check: wo sind hier die Bedienelemente wie angeordnet? Wie reagiert das jeweilige Fahrzeug auf Kupplung, Gas und Bremse? Wie fühlt es sich an? In Bezug auf Lernen ist das schon mal vorteilhaft. (Ich verrate jetzt nicht, welches aktuell mein bevorzugtes Fahrzeug ist. Denn es ändert sich immer wieder, je nach Neuentdeckungen.)

Wenn ich ein Fahrzeug einsteige, hat der vorherige Fahrer in der Regel ‚seinen‘ Radiosender eingestellt. Am Anfang wollte ich genauso am liebsten auf ‚meinen‘ Sender wechseln. Da zeigt sich wieder einmal, wie stark die Gewohnheiten sind! Das hat sich geändert. Ich lasse mich überraschen und höre erst einmal die voreingestellten Sender. Manchmal spüre ich dabei einen kleinen Widerstand: „Och nee, muss das jetzt sein?“ Doch ich bleibe dran – zumindest eine Weile. Es lohnt sich! Denn dadurch habe ich neue Formate, andere Moderatoren und vor allem interessante Themen kennengelernt. Wahrscheinlich wäre ich sonst gar nicht auf bestimmte Sendungen gekommen. In der Folge habe ich meine Radiosender zu Hause ebenfalls erweitert. 

Autoradio andere Sender als üblich hören

Sich auf Neues einlassen, ausprobieren und bewusst Kleinigkeiten zu verändern, das sind ‚Neurobics‘. Aerobic und damit Muskeltraining für Ihre Nervenzellen. Doch es ist noch mehr. Neben der Muskelstärkung ist es diese Flexibilität, die wir für eine agile, sich ständig veränderte Welt brauchen.

Die Inspiration von Bahnhofsbuchhandlungen

Längere Strecken fahre ich mit dem Zug. Das bringt es mit sich, dass ich zwischen zwei Umstiegen oft in der Bahnhofsbuchhandlung lande. Das ergibt sich eine weitere Inspirationsquelle. Ich schaue mir unterschiedliche Zeitschriften an und staune immer wieder über diese Vielfalt des Angebots. Immer mal wieder wähle ich andere als üblich oder sogar ganz andere Themen und ja, ich blättere nicht nur, sondern kaufe sie sogar. Warum das alles? 

Unser Gehirn liebt Gewohnheiten

Die sind praktisch, energiesparend und erleichtern den Alltag. Ein ganz großes ABER ist: sie verleiten dazu, immer alles so zu machen wie üblich. Ohne dass Sie es bemerken. Das führt dazu, dass bereits kleine Veränderungen im Alltag nerven, als Hürde empfunden werden oder schlechte Laune erzeugen. 

Wie wäre es, wenn Sie sich wappnen und selbst immer wieder kleine Ausflüge aus Ihren Gewohnheiten heraus unternehmen? Natürlich nur dann, wenn Sie gerade etwas Zeit haben und keinen Stress! Dann haben Sie die Chance, zu lernen: flexibler mit neuen Situationen umgehen, schneller im Gehirn umzuschalten: Ihr Gehirn wird „trainiert“. Sie werden fitter für die Agilität, für den Umgang mit Veränderungen.

Raus aus der Routine: Fünf Tipps, um Ihr agiles Handeln im Alltag zu trainieren

  • Öffnen Sie Ihr Auto, Ihre Wohnungstür anders als üblich, etwa mit der linken Hand (wenn Sie Rechtshänder sind, sonst natürlich umgekehrt)
  • Wechseln Sie für Hin- und Rückfahrt den Radiosender
  • Stellen Sie Ihre Kaffee- oder Teetasse auf die andere Seite des Schreibtisches
  • Variieren Sie Wege – egal ob mit dem ÖPNV, Auto, Fahrrad oder zu Fuß: nehmen Sie eine etwas andere Strecke, wenn Sie mit dem ÖPNV unterwegs sind, steigen Sie früher oder später aus, erkunden Sie mit Fahrrad oder zu Fuß andere Varianten, um zum Ziel zu kommen
  • Tauschen Sie sich mit anderen Kollegen als üblich beim Mittagessen oder in der Kaffeepause aus. Oder über andere Themen als sonst. Zum Beispiel darüber, was Sie noch anders als üblich machen können!

Probieren Sie es aus – wo bietet sich für Sie ein leichter Einstieg, ein erster Versuch an? 

Wege variieren

Reflektieren Sie Ihre Lernerfahrung, hier ein paar Anregungen

Im agilen Umfeld gehört es mit dazu, nicht nur neue Erfahrungen zu machen, sondern diese auch zu reflektieren. Für Ihre Gewohnheitsveränderungen können Sie mit diesen Fragen starten:

  • Nach welchen Kriterien haben Sie ‚Raus aus der Routine’ ausgewählt?
  • Was war ganz leicht? 
  • In welchem Moment haben Sie eventuell erste Widerstände gespürt? 
  • Wie sind Sie damit umgegangen?
  • Können Sie Ihre Erfahrungen auf andere Bereiche übertragen? 

Einmal angefangen, fällt es Ihnen nach und nach leichter, gewohnte Bahnen immer wieder zu verlassen. Wenn Sie Wege variieren oder woanders als sonst einkaufen, stärken Sie damit übrigens ganz nebenbei die Konzentration und die Wahrnehmung. Das alles gehört mit zu den ‚Neurobics‘ – die Aerobic für die Nervenzellen. 

Diese Kleinigkeiten sind leicht umsetzbar. Sie lernen, immer wieder neue Blickwinkel einzunehmen. Das nutzt Ihnen im Alltag, wenn es darum geht, Probleme zu lösen und umzudenken. Die Digitalisierung braucht genau das – umdenken, neu denken und handeln. 

Vollkommen egal, wie Sie es nennen wollen, Ziel ist es, mit wenig Aufwand flexibel für Veränderungen zu werden. Agil eben. Diese Fähigkeit brauchen wir alle, da bin ich mir sicher!

Teilen Sie mir doch Ihre Erfahrungen mit ‚Raus aus der Routine – flexibel und agil denken – mit!

Am besten gleich hier unter:  mail@margit-reinhardt.de

 

Als ich das Ergebnis der Studie von Stepstone und dem Kienbaum Institut gelesen habe, bin ich richtig erschrocken. Kann das wirklich sein? Stecken so viele Menschen, Mitarbeiter, Personalentwickler und Firmenchefs noch immer in einer Schockstarre? Ist das Bewusstsein für Weiterbildung und Lernen tatsächlich so unter den Tisch gefallen? Gerade einer Zeit, in der wir so viele Veränderungen und steile Lernkurven erlebt haben?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung, doch lesen Sie erst einmal selbst, was mich so beschäftigt hat:

Fehlende Zukunftskompetenz Lernen

Das Ergebnis einer Umfrage (durchgeführt von der Online-Plattform Stepstone gemeinsam mit dem Kienbaum Institut @ ISM) unter 8.000 Arbeitnehmerinnen zeigt es ganz deutlich: Lernen hat einen niedrigen Stellenwert.

Gleichzeitig meinen 9 von 10 Befragten, dass Zukunftskompetenzen – ein Teil davon ist die Lernfähigkeit – ganz entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens in den nächsten 5-10 Jahren sein werden.

Also, das Bewusstsein für Veränderung ist da. Was fehlt, sind die Kompetenzen, um diese Veränderungen zu meistern. In der Aufzählung stehen die digitale Kommunikation und der Umgang mit entsprechenden Tools mit an vorderster Stelle. Genauso wichtig finden die Befragten die Fähigkeit, überhaupt mit Veränderungen gut klarzukommen. Dazu zählen der Umgang mit Unsicherheit oder Frust. Deswegen gehört zu einer Veränderung aus meiner Sicht unbedingt die Stärkung der Resilienz und der psychischen Gesundheit.

Aktuelles Lernangebot der Unternehmen passt nicht mehr

Die Mehrheit der in dieser Studie Befragten ist unzufrieden mit dem aktuellen Lernangebot. Ob es die Qualität und Vielfalt ist, es passt einfach nicht. Was fehlt, ist der Fokus auf die Lernfähigkeit, Flexibilität und die Fähigkeit, kreativ zu denken, um Probleme neu zu betrachten und sie anzupacken. 

Das klassische Lernen nach Weiterbildungskatalogen passt nicht mehr in eine Welt, die sich so schnell verändert. Interessanterweise kommen Unternehmen, die ein selbstbestimmtes und agiles Lernen praktizieren, in der Bewertung viel besser weg. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist höher, weil die Lernangebote individuell angepasst werden. Diese setzen direkt im Alltag beim Lernbedarf an, auf das, was aktuell wichtig und notwendig ist. 

Altes Lernen passt nicht mehr

Lernen zu lernen – aber bitte nicht auf Vorrat!

Ein gewisser Vorrat ist zwar sinnvoll, aber Lernen auf Vorrat ist es selten. Zu viele Vorräte  binden Ressourcen in Form von Lernmotivation und nehmen Platz weg. Im schlimmsten Fall verderben sie sogar. So, wie viele Menschen keine Lust mehr aufs Lernen haben und schon bei dem Gedanken daran die Augen verdrehen.

Viele Berufe werden verschwinden, komplett neue entstehen

Dabei ist die Motivation zum Lernen unabdingbar. Viele Berufe werden sich in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung verändern – manche ganz verschwinden. Dafür entstehen viele neue Berufe und Arbeitsbereiche. Wie Sie mit diesen Veränderungen umgehen, das wird einen neuen Stellenwert erhalten. Das ist viel wichtiger als das perfekte Abarbeiten von Routinen. Dazu brauchen wir die Fähigkeit, im Denken flexibel zu sein, um Neues aufzuprobieren. Dabei werden Fehler passieren, das gehört mit dazu. Oder ist es Ihnen schon gelungen, etwas ganz Neues auf Anhieb fehlerfrei hinzubekommen? 

Das alles ist Teil des lebenslangen Lernens. Lernen – das können wir glücklicherweise alle. Doch das Lernen verändert sich, so wie die Welt um uns herum. Es wird  flexibel, alltagstauglicher und agiler. Dazu brauchen Sie einen neuen Blick auf das Lernen und auf sich als Lernenden. Was passt noch, was muss sich hier erneuern?

Wie gut kennen Sie sich als Lernender?

Lernen ist im beruflichen Kontext leider noch oft negativ verknüpft. Das, was mühsam war, oder nicht gut geklappt hat, bleibt viel stärker im Gedächtnis. Jeder hat schon Situationen erlebt, in der Sie sich sogar blossgestellt fühlten. Das will keiner (freiwillig) wiederholen. Aber da unser Gehirn ja lernfähig ist und die Wiederholungen was ausmachen, drehen Sie das Ganze doch mal um: was können Sie tun, um positive Lernerfahrungen zu aktivieren? Und solche Lernerfahrungen hat jeder! Oft werden diese als ‚Naja, das hat einfach gut geklappt!‘ Oder ‚Da ist eben Talent da, dann geht es ja von selbst!‘ Was natürlich Blödsinn ist. Ein Talent entfaltet sich nicht ohne Üben. Das wird gerne übersehen.

Wählen Sie lieber selbst aus oder lassen Sie andere bestimmen?

Lernen hat deswegen einen schweren Stand, weil die Inhalte oft vorgesetzt werden. Das ist so wie in einem Restaurant. Stellen Sie sich vor, dass Sie hungrig ein Restaurant betreten. Sie setzen sich hin und werfen einen Blick in die Speisekarte. Toll wäre es, Sie könnten jetzt auswählen. Wenn aber nur ein oder zwei Gerichte drinstehen? Auf die Sie – naja – notgedrungen ausweichen müssen. Sie erhalten eine Portion, die so groß ist, dass Sie diese beim besten Willen (und Hunger) gar nicht aufessen können. Der Geschmack ist – naja – leidlich. Da lassen Sie das mit dem Restaurant in Zukunft lieber bleiben. 

Stattdessen nehmen Sie sich etwas von zu Hause mit. Das, was Ihnen schmeckt. In einer Portionsgröße, die Ihnen gut tut. Oder Sie gehen zur nahegelegenen Imbissbude, da bekommen Sie schnell eine Kleinigkeit. 

So ähnlich ist es mit dem klassischen und dem agilen Lernen. In einem 2-Tagesseminar lernen Sie viel. Aber die Portionen sind so groß, dass Sie wieder viel vergessen. Ausserdem bleibt viel Arbeit liegen, wenn Sie wieder an Ihrem Arbeitsplatz sind. Die gilt es erst einmal wieder aufzuholen. Und schon haben Sie das meiste aus dem Seminar wieder vergessen. Oder Sie brauchen das Gelernte vielleicht in einem halben Jahr. Da müssten Sie wieder nachlesen, noch einmal Energie reinstecken. 

Agile Lernkompetenzen sind zukunftsfähig

Wie wäre es stattdessen, wenn Sie genau das lernen, was Sie aktuell brauchen? Die Inhalte bestimmen Sie selbst. Planen es so, dass es in Ihren Alltag reinpasst. Das dürfen Sie, die Zeit dazu ist freigegeben! Sie lernen, wenden das Gelernte direkt in Ihrem Alltag an. Zusätzlich tauschen Sie sich mit Kollegen aus, die ebenfalls lernen und reflektieren Ihre Erfahrungen. So können Sie die Lerninhalte flexibel an Veränderungen anpassen und jeweils neu justieren.

Ein neuer Blick auf die Zukunftskompetenz Lernen

Klar, das ist alles kein Selbstläufer. Ohne die entsprechenden Lernkompetenzen fühlen sich Mitarbeiter schnell überfordert. Im agilen Lerncoaching erleben sie, wie sie in das zukünftige Lernen hineinwachsen. Dabei docken Sie an die jeweils vorhandenen Kompetenzen an und erweitern diese Schritt für Schritt. Klassische Tools sind nur ein ganz kleiner Teil des agilen Lernens. Viel mehr spielt die Einstellung, die Motivation und Ausdauer eine enorme Rolle. Ein Lernprozess wird immer mit einer Reflexion abgeschlossen, um aus dem eigenen Lernen zu lernen.

Diese Lernwerkzeuge können Sie in meinen Workshops ausprobieren und Erfahrungen damit sammeln. Sie setzen sich zum Beispiel selbst Lernziele, erarbeiten sich Inhalte und planen die Umsetzung in den Alltag. Vor allen Dingen wissen sie genau, auf welche Art und Weise sie ihr Lernen mit beeinflussen können, damit es erfolgreich ist.

Diese Erfahrungen sind die Basis, damit agiles und damit selbstbestimmtes Lernen in den Arbeitsalltag integriert werden können.

So starten Sie mit dem agilen Lernen

  • Sich selbst als Lernenden kennenlernen: Einstellung und Lernmotivation
  • Kombinieren Sie clever bekannte und neue Lernwerkzeuge
  • Lernen Sie mit Zielen und Sprints
  • Probieren Sie Neues aus, akzeptieren Sie Fehler  – in einem sicheren Umfeld
  • Verbinden Sie digitale Tools mit dem Lernen
  • Machen Sie Ihre Lernergebnisse sichtbar
  • Austausch und Reflexion als selbstverständlicher Teil des Lernens

Diese Themen können Sie mit einer individuellen Lernkompetenzanalyse mit Auswertungsgespräch kombinieren.

In den Workshops sammeln die Mitarbeiter Erfahrungen mit verschiedenen agilen Lerntools und setzen diese in einem begleitenden Lernprojekt ein. Schließlich haben sie die Werkzeuge, um ihr Lernen selbst zu planen und organisieren –  bis hin zum Transfer und der Reflexion.

Ein Nebenprodukt ist, dass Mitarbeiter, die selbst bestimmen dürfen, zufriedener sind. Die bleiben eher im Unternehmen. Durchaus ein Punkt, der bei einem hohen Maß an fehlenden Fachkräften zu bedenken ist.

Übrigens, die Durchführung kann sowohl vor Ort als auch online stattfinden. Die Workshops sind von der Dauer her auf maximal 2 Stunden angelegt und bauen aufeinander auf.

Neugierig geworden? Lassen Sie uns miteinander sprechen, wie Sie das agile Lernen bei sich im Unternehmen auf den Weg bringen!

Schreiben Sie mir: mail@margit-reinhardt.de

Oder rufen Sie an (0721) 75 33 61.

 

Eintausendvierhundertneunundsiebzig Teilnehmer im ersten Vortrag – so viele hätten real gar nicht in die Halle der LEARNTEC gepasst. Worum es ging? Wie sich das Lernen jetzt und in Zukunft verändert – das Thema, das viele Menschen umtreibt.

In diesem ersten Vortrag „Future Ways of Learning“ von Chris Böhler ging es zuerst einmal darum, dass Menschen wissen wollen, was auf sie zukommt. Das verständliche Bedürfnis. Menschen wollen sich sicher fühlen, sie wollen planen. Doch wie wir alle wissen, geht das nur sehr bedingt. Ergo geht es darum, neue Wege zu finden, um mit diesem Nicht-Wissen und der Unplanbarkeit klarzukommen.

Hinzu kommt, dass „Voraussagen über das Lernen eine Konstante haben: es geht immer um den Menschen. Und der“, so Böhler, „der verändert sich kaum.“ Das ist auf den ersten Blick nicht gerade sehr ermutigend, oder?

Zukunft braucht Veränderung, Entwicklung ist Veränderung

Ich fasse mal zusammen: Der Mensch verändert sich kaum. Das bezieht sich auf die Gehirnstrukturen und die Wege, wie wir etwas verarbeiten. Denn unser Gehirn arbeitet seit Jahrtausenden immer noch auf die gleiche Art und Weise. Veränderungen brauchen Energie. Das Gehirn wiederum ist ein super Energiesparer. Es fragt immer: ‚Lohnt sich der Aufwand? Bringt es was?’

Tatsache ist, Veränderung ist Teil unseres Alltag geworden. Vieles passt einfach nicht mehr. Veränderung könnte aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet werden: Wie werden wir zukunftsfähig? Da ist unser Gehirn eher bereit, Energie zu investieren.

Die Werkzeuge, die wir dazu brauchen sind diese Metakompetenzen

  • Lernen
  • Selbstorganisation
  • Fehlertoleranz

Mit E-Learning allein wird kein Mensch zukunftsfähig werden. Am besten klappt das, wenn Menschen beim Tun unterstützt werden. Lerner brauchen den Austausch und wir alle lernen am besten, indem wir aktiv sind. Die Herausforderung besteht mehr darin, mit den gigantischen Informationsmengen souverän umzugehen. Vieles ist zudem so komplex, dass es schwierig ist, das Relevante auszuwählen.

Denn was genau brauchen Sie als Lerner, um einen Zusammenhang zu verstehen oder um ein aktuelles Problem zu lösen? Lohnt sich der Aufwand überhaupt, wenn alles Wissen so schnell verfügbar ist?

Ein Lerner kann, so Böhler,  Anfänge setzen. Er kann an einer Stelle starten und dann weitergehen. Es muss nicht ‚alles‘ gelernt werden. Sondern es geht um eine gezielte Auswahl und eben den Beginn. Den ersten Schritt.

Wo haben Sie Ihre Metakompetenzen erlernt?

Was die meisten Lerner nicht gelernt haben, steckt in den Metakompetenzen. Diese werden in der Schule bisher nicht oder nur am Rand vermittelt. Heute sind sie die Voraussetzung, die Schlüsselkompetenz, um zu lernen. Ein paar Beispiele:

Die Selbstorganisation, etwa die Lernzeit einzuschätzen oder sich diese überhaupt einzuplanen. Muster in den Informationen erkennen (denn dazu ist unser Gehirn prädestiniert). Daraus Schlüsse ziehen und Hypothesen für die Zukunft herleiten. Schließlich der Transfer des Gelernten in die Arbeitsabläufe sichern (Checklisten, Notizen).

Das Schweizer Taschenmesser als agiles Lernwerkzeug

Für den agilen Lerner empfiehlt Böhler diese Werkzeuge (da stimme ich voll und ganz zu!).

  • In kleinen Häppchen lernen
  • Kontinuierlich anpassen und überprüfen
  • Lernen in Teams oder Tandems
  • Das Gelernte direkt anwenden
  • Das Nicht-Lernen praktizieren (ich kann nicht alles wissen oder können!)
  • Das Gelernte und den Weg dorthin reflektieren

All das wird hoffentlich bald selbstverständlich sein. Nur so können wir tatsächlich zukunftsfähig sein. Damit das gelingt, hat Böhler drei Vorschläge:

  1. Aufbau von eben diesen Metafähigkeiten in Kombination mit digitaler Kompetenz
  2. Wissen bereitstellen (Wikis, E-Learning, Datenbanken, Experten und Kollegen)
  3. Mut, etwas auszuprobieren und Fehler zu machen

Ohne den Willen können Sie es gleich vergessen

Bei all dem ist immer eins entscheidend: der Wille, zu lernen. Daraus folgt die Motivation, etwas aufzunehmen und es auszuprobieren und umzusetzen.

Lernen braucht neben der Motivation eine Anerkennung und Wertschätzung. Das bedeutet, das Lernen sichtbar zu machen, es zu teilen und so die Chance auf Feedback zu erhöhen.

Es steckt noch ein anderer Gedanke hinter dem Sichtbarmachen: wie kann ein Lernender Wege finden, um zu wissen, was er oder sie sich angeeignet hat? Denn in dem Moment des Sichtbarmachens wird klarer, was er oder sie verstanden hat und was – durch die Rückfragen anderer – noch unklar ist oder wo sich Wissenslücken auftun.

Abgerundet werden diese Metakompetenzen, so Böhler, mit einer Widerstandsfähigkeit im Sinne der Resilienz. Denn Veränderungen mit der sie verbundenen Unsicherheit oder Ungewissheit werden weiterhin oder sogar noch stärker Teil unseres Alltags sein. Das kann ich nur bestätigen und dick unterstreichen.

Mehr zu Chris Böhler finden Sie hier: rodenwerk.de

LEARNTEC xChange online 2021

Lernen und Digitalisierung

Ich war noch auf anderen Vorträgen, der rote Faden blieb. Lernen und Digitalisierung. „Digital qualifiziertes Personal“ war der Titel des Vortrags von Martin Attila (Fraunhofer) und Frau Dr. Iris Ulrich (Helmholtz). Ihr Vortrag war zuhöreraktiv und kurzweilig mit eingebundenen Fragen. Kurz zusammengefasst, wurde auch hier auf den Mangel an Kompetenzen im Umgang mit Herausforderungen digitaler Art eingegangen.

Aus Sicht der beiden Vortragenden besteht ein dringender Bedarf an

  • Kommunikation
  • Kooperation
  • Problemlösung und Präsentation
  • Analyse und Reflexion

Welche Kompetenzen braucht es? 6.000 Unternehmen haben geantwortet

Am letzten Tag der Learntec xChange stand die Hochschule im Fokus. Professor Dr. Ulf-Daniel Ehlers von der Dualen Hochschule Karlsruhe erläuterte, was den Studenten abgesehen von den fachlichen Inhalten vermittelt wird.

Sie sollen so selbstständig wie nur möglich werden. Natürlich darf auch hier die Selbstorganisation als die zentrale Kompetenz nicht fehlen. Die StudentInnen werden dabei unterstützt, die Zukunft für sich, im Unternehmen und in der Gesellschaft zu gestalten. Es reich bei weitem nicht mehr, Inhalte zu lernen und die im Berufsalltag anzuwenden. ‚Denn mit der Analyse des Gestern wissen wir nicht, wie wir morgen agieren werden.’

Das Ziel ist, die Studierenden dazu zu befähigen, nicht nur Probleme zu erkennen und diese zu lösen. Sondern Brüche und Knackpunkte im Unternehmen zu finden, die zu einem Problem führen können. Also eine Vorgehensweise, die zukunftsgerichtet und auf Innovationen aus ist. Diesen Denkansatz finde ich spannend. Wie kam es dazu?

Die Hochschule hat 6.000 Unternehmen befragt: welche Kompetenzen brauchen Mitarbeiter in der Zukunft? Natürlich stehen auch hier die digitalen Kompetenzen mit an erster Stelle. Aber nicht nur! Hier findet der rote Faden aus den bisherigen Vorträgen seine direkte Fortsetzung:

  • Selbstorganisation statt Vorgaben
  • Eine Kultur der Ermöglichung (z.B. in Lösungen denken)
  • Innovation und Weiterentwicklung

Die Studienergebnisse finden Sie hier: www.nextskills.org

Lebenslanges Lernen – was braucht es für Voraussetzungen?

Neben den Vorträgen gab es verschieden Round-Tables, einen möchte ich hier noch herausgreifen. Mitarbeiter für lebenslanges Lernen begeistern, eines meiner Herzensthemen.

Referent war Hermann Ladner, der drei Ansatzpunkte für lebenslanges Lernen zur Diskussion gestellt hat.

  • Der Mitarbeiter selbst
  • Die Führungskraft
  • Das Team

Natürlich wurde auch hier angesprochen, dass die Welt im Umbruch ist. Ohne Lernen geht es einfach nicht. Doch was ist, wenn es krass gesagt, zwei Einstellungen dazu gibt: „Lernen ist toll!“ Oder „Lernen ist doof, anstrengend und überhaupt bringt das nix.“ Wie ist es, wenn Mitarbeiter ‚gezwungen‘ werden, Unsinniges zu lernen? Wie ist es, wenn Mitarbeiter durch das Lernen neue Chancen für sich erkennen können?

Folgende Fragen wurden diskutiert, die gebe ich gleich mal an Sie als LeserIn weiter:

Woran erkennen Sie eine offene Lernkultur? 

  • Offenheit für Themen, die für die Mitarbeiter wichtig sind (klingt erst einmal banal, aber das Unternehmen oder die PE haben da durchaus andere Präferenzen)
  • Freude am Lernen fördern durch „Wahrgenommen werden“ – von Kollegen, aber auch von der Führungskraft

Worauf sollte sich die Personalentwicklung konzentrieren?

  • Lernzeiten vorgeben oder Lernzeiten ermöglichen?
  • Muss ein Ergebnis nachgewiesen werden? Und wenn ja, gegenüber wem?
  • Mitarbeiter bei der Klärung ihrer Inhalte begleiten oder unterstützen
  • Digitale Kompetenz fördern: ‚Spielwiesen‘ im Intranet anbieten (Tauschbörse, Mitfahrbörse – eine Idee aus einer anderen Austauschrunde war, den Speiseplan der Kantine immer wieder woanders im Intranet zu ‚verstecken‘. Dadurch konnte man sehen, wer so motiviert war, dass er oder sie den Speiseplan immer wieder gefunden hat – daraus kann sich auch wiederum ein Wettbewerb ergeben)
  • Es darf auch ohne gleich erkennbaren Nutzen für das Unternehmen sein
  • Niederschwellige Angebote zum Selberlernen anbieten
  • Learning Nuggets mit Kollegen zusammen
  • Das Probieren anerkennen
  • Neugierde fördern!

Es geht darum, den Mitarbeitern die Freiheit zu geben, so etwas zu testen, um die Hemmschwelle für andere Inhalte zu senken. Das ist die Basis zur Entfaltung von Potenzial. Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass Lernen auch ein gewisses Risiko beinhaltet. Es kann klappen oder es kann schiefgehen. Scheitern ist ein Teil des Lernens, es gehört dazu.

Wie Sie es drehen und wenden: Lernen gewinnt!

Mein Fazit aus der LEARNTEC xChange: Lernen wird aktiver und dadurch viel attraktiver! Der Lernende hat zwar mehr Verantwortung für sein Lernen, aber auch mehr Möglichkeiten, das so zu gestalten, wie es am besten passt. Und wie es so gelingt. Manche lernen lieber in kleinen Häppchen (und haben sonst auch gar keine Zeit dazu), andere nutzen lieber längere Zeiteinheiten.

  • Der Einstieg ins Lernen beginnt mit dem Blick auf das Ergebnis.
  • Was will ich können wollen?
  • Wie komme ich da hin?
  • Was brauche ich konkret dazu?
  •  Wer kann mich unterstützen?

Das Gelernte wird schließlich sichtbar gemacht – dadurch wird es geteilt.

Das agile Lernen baut ebenfalls auf diesen Prinzipien auf, bietet aber noch viel mehr. Lernen ist selbstorganisiert. Das ist kein Selbstläufer! Denn ein agiles Vorgehen braucht Struktur. Das Ziel mag sich beim Lernen verändern, trotzdem orientiert sich der Lernende an den Leitplanken. Und, ehe ich es vergesse, das Gelernte will angewendet werden. Der Transfer entscheidet über den Erfolg der Lern-Anstrengung. Schließlich braucht der Lernende Sinn und Bedeutung für die Inhalte, sonst lahmt die Motivation schon von Anfang an. Mit eigenen Zielen in Absprache mit der Führungskraft und dem Team ist das gut gewährleistet. Damit das Gehirn, unser wundervolles Lernorgan, dranbleibt und nicht aussteigt.

Damit weder Stress noch Überforderung eine Chance haben, ist eine solide Widerstandsfähigkeit eine enorme Hilfe. Das sehe ich in der Resilienz, die erlernbar ist. So schließt sich der Kreis zum ersten Vortag der LEARNTEC xChange.

Wenn ich Ihre Neugier zum Lernen geweckt habe und Sie mehr über das agile Lernen erfahren wollen, freue ich mich über eine Mail an info@margit-reinhardt.de.

Oder wir sehen uns auf der LEARNTEC vom 22.- 24. Juni 2021 in Karlsruhe, in der Hoffnung, dass sie stattfindet!

 

1. Warum Sie gerade jetzt mit dem agilen Lernen beginnen sollten

Wir alle haben in den letzten Monaten so viele Veränderungen erlebt wie selten zuvor. Manche kommen ganz gut damit klar, sie versuchen, das Beste daraus zu machen. Keine Frage, es ist nicht einfach. Deswegen will ich den Blick darauf lenken, wie es gelingen kann, im Strom der Veränderungen den Kopf souverän über dem Wasser zu halten. Indem Sie beweglich bleiben, agil eben.

Das gibt Ihnen die Chance, schnell zu  reagieren, ganz egal, was kommt. Im digitalen Wandel ist es unabdingbar, beweglich und flexibel zu sein. Klar, in manchen Situationen fällt das leichter, in anderen tut man sich schwerer damit.  Egal wie, es steht in einem direkten Zusammenhang mit Ihrer Lernfähigkeit. Genau die brauchen Sie, damit Veränderungen gelingen können. Auf das Lernen übertragen bedeutet das: je agiler und flexibler Sie sind, desto leichter und stressfreier wird es. Statt Frust erleben Sie mehr Erfolg und Zufriedenheit.

Ein Alltag ohne ein immer-wieder-dazulernen würde bedeuten, dass Sie stehenbleiben. Sie werden unflexibel, fühlen sich schneller überfordert und ja – irgendwann sind Sie abgehängt.

Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn Sie, Ihre Kollegen und Kolleginnen offen für Neues sind und eines tun: Lernen.

Lernen hat noch oft ein verstaubtes Image

Aber in manchen Köpfen ist die Vorstellung vom Lernen ziemlich verstaubt: Lernen ist anstrengend oder es ist mit Seminaren verbunden, die am Bedarf vorbeigehen. Oder es wird auf Vorrat gelernt. Ein Transfer in den Alltag findet kaum statt. Schlimmstenfalls ist Lernen sogar mit negativen Erfahrungen verbunden. Die reichen manchmal sogar bis in die Schulzeit zurück. Kein Wunder, dass manche Mitarbeiter lieber beim StatusQuo bleiben. In der Hoffnung, dass alles so bleibt, wie es ist. 

Es ist höchste Zeit, das zu verändern! Erst recht, wenn lebenslanges Lernen in allen Bereichen selbstverständlich ist und nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Denn mit dem, was Sie heute lernen, können Sie die Probleme, die morgen auftauchen, mit Sicherheit leichter lösen.

Checken Sie, was das konkret für Ihren Lernalltag bedeutet: 

    • Sind Sie grundsätzlich überzeugt, dass Sie lernfähig sind? 
    • Machen Sie sich Ihr Lernen bewusst oder lernen Sie einfach so drauflos?
    • Können Sie sich selbst gut motivieren und dranbleiben? 
    • Wissen Sie genau, in welchen Schritten Sie vorgehen wollen?
    • Gelingt Ihnen der Transfer in den Alltag? 

Das agile Lernen unterstützt Sie dabei, sich selbst zu helfen. Dadurch erhöht sich Ihre Selbstwirksamkeit – ein zentraler Resilienzfaktor. Sie können es leichter aushalten, wenn Sie sich unsicher fühlen – etwa, was die Zukunft bringt. Auf der anderen Seite werden Sie mutiger und probieren mehr aus. 

Veränderung und Lernen gehören zusammen wie Ying und Yang. Oder wie Zahnräder, die ineinandergreifen. Beide ergänzen sich und kommen so in Schwung.

Verabschieden Sie sich von Zertifikaten

Das ist zugegeben ein wenig provokativ. Aber mal ehrlich: was verspricht Ihnen ein Zertifikat oder das Bestehen einer Prüfung? Ich habe so viele Menschen erlebt, die verbissen auf Prüfungen gelernt haben. Und danach alles schnell vergessen haben. Das Gehirn hat wohl immer die Frage gestellt: „Wozu?“ Kein Wunder, dass am Ende eines Studiums oder einer Berufsausbildung das Lernen erst einmal ad acta gelegt wird. Was im Berufsalltag bleibt, sind Seminare. Oft Monate vorher geplant, gehen sie oft am konkreten Bedarf vorbei. Der Transfer spielt – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Ganz aktuell habe ich dazu einen Vortrag von Harald Schirmer gesehen: Keynote Lebenslanges Lernen Harald Schirmer

Agiles Lernen ist flexibel und leichter

Befreien Sie sich vom verstaubten Lernimage! Lernen verändert sich, endlich. Angesichts des Veränderungstempos bekommt es ein neues Gesicht. Machen Sie mit, denken Sie das Lernen neu! Werden Sie zum agilen Lerner!

Das agile Lernen orientiert sich immer am konkreten Bedarf: ‚‚Das kann ich jetzt gut gebrauchen und ich will es jetzt wissen!‘ Sie entscheiden mit, was Sie auf welche Art und Weise lernen werden und übernehmen damit die Verantwortung für den Lernprozess. Das ist erst einmal ungewohnt. Denn agiles Lernen ist selbstgesteuert, basiert auf mehr Austausch untereinander und unterscheidet sich dadurch grundsätzlich vom klassischen Lernen. Auch das will erst einmal gelernt werden, am besten durch Erfahrung! Die ersten Schritte dahin zeige ich Ihnen gleich. 

Einige Basics, die immer dazugehören

    • Sie entscheiden mit, was Sie wie lernen – Ihr Lernen ist individuell
    • Sie gestalten und planen Ihr Lernen selbstorganisiert
    • Sie tauschen sich gezielt und intensiv mit anderen Kollegen aus
    • Sie reflektieren Ihren Lernweg und lernen so von sich selbst

2. Wie Sie Ihre Lernkompetenzen Schritt für Schritt erweitern können

Wenn Sie von einer Sache begeistert sind, dann erzählen Sie es weiter, oder? Sie wollen Ihre Freude, die Motivation und die damit verbundene Energie teilen. Gelingt es Ihnen, das auch auf Ihr Lernen zu übertragen?

Viele erwachsene Lerner sind das gar nicht mehr gewohnt und tun sich entsprechend schwer. Dann wird einfach irgendwie gelernt und der Frust ist schon fast vorprogrammiert. Schnell wächst die Überzeugung, dass das Thema oder der Inhalt „einfach nichts für mich ist“. „Konnte ich noch nie und werde ich nie können!“ Das ist der Weg direkt in die Sackgasse.

Wenn Sie umgekehrt grundsätzlich überzeugt sind, dass Sie sich entwickeln und lernen können, werden Sie von Anfang an anders an die Themen herangehen. Mein Videotipp (gibt es auch als Buch)  hierzu ist das Interview mit Carol Dweck. Das agile Lernen lädt genau dazu ein, offen und neugierig Neues auszuprobieren.

Der Lerner wandelt sich vom Konsumenten zum Prosumenten

Der wahrscheinlich größte Unterschied zwischen den klassischen Lernen und dem agilen Lernen besteht in der Aktivität. Der Lernende ist kein Konsument von Inputs oder Vorträgen, der passiv das Gehörte oder Gesehene aufnimmt. Hierbei ist die Aktivität im Gehirn sowieso ziemlich gering. Die Verlockung, abzuschweifen, ist sehr groß.

Doch wenn der Lernende zum Prosument wird, ist die Aktivität beim Lernen hoch! Der Lernende weiß, dass er oder sie das Gelernte weitergeben und sich darüber austauschen wird. Im Team, an Kollegen oder an Freunde. Die Aufmerksamkeit ist fokussiert. Was ist wirklich wichtig und relevant? Was können meine Kollegen davon haben? Wie können wir das Gelernte im Arbeitsalltag ein- und umsetzen? 

Sehen Sie den Unterschied? Sie sind auf eine andere Weise aktiv. Dabei übernehmen Sie Verantwortung. In dem Augenblick, in dem Sie Ihre Learnings weitergeben, merken Sie sofort, was Sie verstanden haben und was noch nicht ganz klar ist. Das ist vollkommen in Ordnung. Es geht nicht um Perfektion, sondern um das Tun. Gleichzeitig bleibt das Gelernte durch die Aktivität und den Austausch viel besser im Gedächtnis. Die Spuren im Gehirn sind viel tiefer und nachhaltiger. 

Sollten dennoch Fragen offen bleiben, übernimmt zum Beispiel ein Kollege das Thema und recherchiert weiter. Oder es tauchen ganz neue Fragen auf. Gemeinsam können Sie entscheiden, was aktuell weiter verfolgt und was hintenan gestellt werden kann. 

Das alles ist kein Selbstläufer. Ein agiles Lernen braucht grundlegende Kompetenzen. Vieles davon können Sie bestimmt schon. Wenn der Wille und die Motivation vorhanden sind – kein Problem. Wenn Sie wissen, wie Sie sich selbst helfen können, können Sie mit Unsicherheit und Komplexität besser umgehen. Vor allem landen Sie nicht in einer Opferhaltung, denn Lernen ist in dieser Haltung nicht möglich. Sie können Respekt haben vor dem, was kommt. Aber machen Sie sich nicht klein!

Ein agiler Lerncoach begegnet Ihnen auf Augenhöhe. Das Ziel ist, dass Sie fähig werden Ihr Lernen leichter und gelingender zu gestalten. Eine Zusammenarbeit startet mit einer Lernkompetenzanalyse. Auf dieser Basis können Sie Ihre Stärken einordnen und sehen, was Sie weiter ausbauen oder ergänzen möchten.

Agiles Lernen

3. So starten Sie ganz konkret ins agile Lernen am Arbeitsplatz

Am Anfang steht die Motivation, das Warum. Sie wollen lernen, für welches Ziel, für welchen Anlass? 

A. Planen Sie und starten Sie mit einem konkreten Anlass

Das kann etwas ganz Kleines sein: Sie wollen zum Beispiel die Möglichkeiten im Instant-Messenger Slack besser kennenlernen, weil dieser kürzlich in Ihrer Firma eingeführt wurde. 

Wenn es etwas Größeres ist: Sie wollen Spanisch lernen, um in Zukunft zumindest den Small-Talk mit einem Kunden in seiner Muttersprache zu führen. Dann überlegen Sie, was der erste kleine Schritt sein kann. 

Das Ziel darf herausfordernd sein, doch eine zu große Erwartung bremst Sie aus. Was ist realistisch und wo werden Sie es in naher Zukunft anwenden können? Was können Sie in den nächsten zwei Wochen erreichen?

B. Wann haben Sie überhaupt Zeit?

Entscheidend ist, dass Sie sich am besten regelmäßige Zeitfenster definieren, wann Sie sich damit beschäftigen wollen. Es können kleine Zeiteinheiten sein, etwa 15 oder 20 Minuten. So lange können Sie sich in der Regel gut konzentrieren. Legen Sie einen Startzeitpunkt fest, das macht es leichter, tatsächlich anzufangen. 

C.  Wie werden Sie lernen?

Bevor Sie loslegen: wie gehen Sie an Ihr Lernen ran? Wo bekommen Sie die Infos her – gibt es erklärende Videos zu Slack? Probieren Sie einfach mal weiter aus? Werden Sie alleine lernen oder haben Sie Verbündete, die ein ähnliches Ziel haben? Gibt es einen Kollegen oder eine Kollegin, die Spanisch spricht? Ein Lernprogramm oder wollen Sie einen Kurs buchen? 

D. Ausdauer entwickeln – irgendetwas kommt immer dazwischen

Sie wollten jeden Tag 15 Minuten lernen. Ups, jetzt ist schon die Hälfte der Woche rum und Sie sind kaum dazu gekommen. Aber dafür sind Sie x-mal abgelenkt worden. Wenn Sie ehrlich zu sich sind, waren manche Ablenkungen sogar willkommen. Vielleicht haben Sie gemerkt, dass Sie alleine doch nicht so gut vorankommen. 

Bei einem Meeting kommen Sie zufällig mit Kollegen ins Gespräch. Denen geht es mit dem neuen Messenger-Dienst genauso. Sie beschliessen, sich mit zwei der KollegInnen zusammenzutun. Die wollen das ja auch lernen! Sie verabreden sich in der Mittagspause am Ende der Woche, um sich gegenseitig zu berichten, was jetzt schon besser gelingt. Jetzt geht es viel leichter voran! 

E. Reflexion – Sind Sie auf dem Weg oder hat sich das Ziel geändert?

Ihre zwei bewussten Lernwochen sind vorbei. Das Ziel ist geblieben. Das ist nicht selbstverständlich. In unserer schnelllebigen Zeit ist es durchaus notwendig, das Ziel erneut anzupassen. Auch dazu dient die Reflexion. 

Jetzt überprüfen Sie, wie weit Sie gekommen sind. Sie denken noch einmal an die Ausgangslage, worüber Sie sich geärgert haben: ‚Das kann doch nicht so schwer sein, mit einem Messenger klarzukommen!‘ Das war Ihr Start und Ihre Motivation. Sie haben auch festgestellt, dass Sie es mit den Lernzeiten nicht so ernst genommen haben. Wenn Zeit da war, hat es geklappt. Wenn etwas dazwischen kam, haben Sie die Lernzeit nicht nachgeholt, sondern ‚vergessen’. 

Im Gespräch mit den Kollegen, die in derselben Situation sind, hat es dann gefunkt. Sie sind in Schwung gekommen, haben sich gegenseitig unterstützt und jetzt hat es sogar richtig Spass gemacht. Sie wussten, am Ende der Woche wollten Sie sich gegenseitig zeigen, was schon alles gut klappt. 

Es gab sogar noch ein Highlight, denn eine andere Kollegin hat das mitbekommen. Sie kennt sich schon super aus und hat Ihnen ihre Unterstützung angeboten. 

Sie wissen jetzt von sich, dass Ihnen eine Verbindlichkeit gut tut. Also Kollegen finden, die Ähnliches lernen wollen. Weiter nehmen Sie aus dieser Reflexion mit, Ihre Lernzeiten besser im Alltag zu verankern. Sie werden ausprobieren, gleich am Morgen damit zu starten. 

Das alles motiviert Sie, Ihren nächsten Lernsprint zu planen!

4. Mit welchen Alltagsbeobachtungen Sie sich selbst unterstützen können

Ändern Sie Gewohnheiten! Ein großer Teil Ihres Alltags besteht aus Routinen und Gewohnheiten. Gut so, denn aus Gehirnsicht spart das viel Energie. Theoretisch haben Sie so den Kopf frei. Auf der anderen Seite machen Sie es sich bequem. Das ist ein großes Lernhindernis. „Es passt doch alles so, warum sollte ich etwas verändern?“ Das habe ich schon so oft gehört! Gefolgt von der Frage: „Wie soll ich mich denn motivieren, etwas anders zu machen, wenn doch alles gut ist?“

Ihr Gehirn wird sich nur dann verändern und dadurch lernfreudiger werden, wenn Sie etwas anders machen als bisher. Das können Kleinigkeiten sein, denn die haben ein enormes Potenzial! Es ist so simpel: Wählen Sie mal einen anderen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Schon das bringt Sie aus der Routine und kann neue Blickwinkel ermöglichen. Kaufen Sie mal in einem anderen Laden ein. Klar, dauert das alles etwas länger. Das können Sie ja von vornherein einplanen. Gehen Sie auf Entdeckungsreise! Probieren Sie mal etwas aus, was Sie noch nicht kennen: Ob es Gerichte sind, eine ganz andere Zeitschrift oder eine ganz andere Abendgestaltung. Mehr dazu finden Sie hier: So verändern Sie Ihre Gewohnheiten

Das brauchen Sie nicht jeden Tag zu tun. Aber zwei- bis dreimal pro Woche macht es Sinn. Der große Vorteil ist, dass Sie in anderen neuen Situationen nicht mehr so überrascht sein werden. Sie können flexibler damit umgehen. Ihr Gehirn hat gelernt, leichter auf Neues zu reagieren. Mit der Zeit werden Sie offener für andere Sichtweisen. Es fällt Ihnen leichter, Ihre Komfortzone zu verlassen und Neues gezielt anzupacken. 

Womit werden Sie starten? 

5. Welche Fehler Sie vermeiden sollten und welche Fehler Sie weiterbringen

Sich auf Neues einzulassen birgt natürlich ein gewisses Risiko. Es passieren Fehler. Sie haben unter Umständen das Gefühl, gescheitert zu sein. Grundsätzlich gehören Fehler zum Lernen dazu. Denn der Fehler zeigt, wo es nicht lang geht. 

Doch es gibt auch Fehler, die Sie vermeiden können. Weil Sie unkonzentriert waren, mit den Gedanken woanders. Schon haben Sie eine Mail verschickt, die falsch adressiert war. Das ist dann wirklich dumm gelaufen und hätte nicht sein müssen. Wenn Sie aus Bequemlichkeit gehandelt haben und dabei ein Fehler passiert ist, dann bleibt Ihnen nur noch, zumindest dazu zu stehen. 

Die Fehler, die Ihnen passieren, weil Sie es nicht besser wissen konnten, die bringen Sie weiter. Auch wenn es zuerst richtig weh tut, weil Sie es verbockt haben. Wenn Sie jetzt reflektieren, was Sie daraus gelernt haben, dann hat sich der Fehler gelohnt. Ihr Gehirn hochaktiv: wie konnte das passieren? Was kann ich tun, damit mir das nicht noch einmal passiert? Wenn Sie jetzt die Situation analysieren, dann lernen Sie besonders intensiv und nachhaltig. 

Noch besser ist es, wenn Sie in einem Umfeld lernen, in dem Sie Fehler machen dürfen. Im Sinne von try and error. Wenn es so nicht funktioniert, dann suche ich mir eben einen anderen Weg.

In vielen Unternehmen ist die Fehlerakzeptanz erschreckend niedrig. Sie  werden nur intern in einem ganz kleinen Kreis besprochen. Wer Fehler macht, zeigt Unfähigkeit oder Schwäche, so der unausgesprochene Tenor. Niemand möchte sich blamieren und zugeben, dass ihm oder ihr ein Fehler unterlaufen ist. Damit wird die große Chance vertan, aus dem Fehler zu lernen und etwas zu verändern. 

Eine offene Fehlerkultur ist dann vorhanden, wenn Mitarbeiter wissen, dass Fehler in einer Organisation ebenso dazugehören wie in jedem Alltag. Bekannt ist die Untersuchung bei Airlines, als es in den 70er Jahren viele Unglücksfälle gab. Die meisten waren auf menschliches Versagen zurückzuführen. Nach der Analyse der Gespräche zwischen Pilot und Co-Pilot war eine Ursache gefunden. Es war die strenge Hierarchie zwischen Pilot und Crew. Der Pilot korrigierte zwar Fehlentscheidungen des Co-Piloten, aber umgekehrt fand dies nicht statt. Nach der Überzeugung: ein erfahrener Pilot macht keine Fehler, ein Co-Pilot schon. Das führte zu einem Umdenken, umgesetzt zum Beispiel mit dem Abbau der Hierarchien. Zusätzlich bekamen die Soft-Skills einen anderen Stellenwert, so die Kommunikation und das Führungsverhalten. 

Die Fehlerquote verringerte sich von vorher 70% auf schließlich 30%. 

In Bezug auf Fehler beim Lernen geht es also darum, wie konstruktiv Sie mit Fehlern umgehen. Damit Sie und andere was draus lernen. 

 

Das Wichtigste kurz auf den Punkt gebracht:

Agiles Lernen ist das Lernen der Zukunft. Denken Sie dran, dass jeder Mensch ein wenig anders lernt. Ein Lernen im gleichen Schritttempo wird nicht von Erfolg gekrönt sein. Starten Sie mit kleinen Schritten.

Denken Sie in den nächsten Tagen darüber nach, was sie jeden Tag dazugelernt haben. Diese Fragen können ein roter Faden sein:

    • Wie war Ihre Einstellung zu dem Thema?
    • Hat Ihr Lernen für Sie einen Nutzen gehabt?
    • Haben Sie sich vor dem Lernen Gedanken über das Ergebnis gemacht?
    • Haben Sie sich bewusst Zeit für das Lernen genommen?
    • Haben Sie sich ablenken lassen und wenn ja: von was?
    • Mit wem haben Sie über das Gelernte gesprochen?
    • Wie ist es Ihnen mit der Anwendung, dem Transfer in den Alltag gegangen?

Habe ich Sie neugierig gemacht? Gerne können wir darüber sprechen, wie Sie das in Ihrem Unternehmen ein- und umsetzen können. Sie erreichen mich  unter der (0721) 75 33 61. Oder schreiben mir eine Mail: info@margit-reinhardt.de

Wir alle haben in diesem Jahr bereits eine steile Lernkurve hingelegt. Vollkommen spontan, ungeplant und dadurch ab und zu verunsichernd. Jetzt sind wir in einem anderen Alltag gelandet, der viele Gewohnheiten auf den Kopf gestellt hat. Diese Veränderungen haben sicherlich Energie verbraucht. Aber vielleicht haben Sie so gar überrascht festgestellt, dass

  • Sie sogar mehr hinbekommen, als Sie je vermutet haben und
  • es gar nicht mal so schwer ist, in kurzer Zeit vieles dazuzulernen

Es ist absehbar, dass es zukünftig noch viel mehr Veränderungen geben wird. Die Lernkurve bleibt – etwa bei der Digitalisierung, die in den nächsten Jahren viele Arbeitsbereiche verändern, manche sogar komplett umkrempeln wird. Eine Ihrer wichtigsten Ressourcen ist Ihre Lern- und Veränderungsfähigkeit. Lernen hört nie auf und das hat durchaus Vorteile!

Damit Ihnen Neues gut gelingt, hier 5 Tipps dazu. Abseits von Lernmethoden, Gedächtnistechniken, sondern ganz allein auf das bezogen, was Sie sowieso schon tun. Genau das können Sie noch viel leichter meistern, wenn Ihnen die Automatismen klar sind.

Vertrauen Sie auf Ihre Fähigkeiten?

Diese Frage: ‚Glauben Sie daran, dass Ihnen das, was Sie vorhaben, tatsächlich gelingt?‘ Sollten Sie sich stellen. Ist eine entsprechende Veränderung oder das Lernen von einem neuen Arbeitsbereich aktuell möglich? Wenn Sie nicht an Ihre Fähigkeiten glauben, wird es kaum oder nur sehr schwer gelingen. Was nicht bedeutet, dass Sie Ihre Fähigkeiten nicht weiter ausbauen sollten. Und ein paar Selbstzweifel in Form vom Respekt vor dem Umfang oder der Dauer einer Fortbildung sind durchaus angebracht.

Aber wenn Sie überzeugt sind, dass es richtig anstrengend und zäh wird „Für Technik habe ich einfach zwei linke Hände…“ oder „Das konnte ich noch nie…“ dann kommen Sie und damit Ihr Gehirn schnell in Stress. So ist es kaum möglich, etwas Neues zu lernen. Ihr Gehirn ist erst einmal mit der Bewältigung der Stresssituation vollauf beschäftigt.

Haben Sie die Zeit? Ist es Ihnen ernst damit? 

Gut, wenn Sie das für sich geklärt haben, geht es weiter. Lernen ist nichts, was Sie mal so schnell nebenher machen können. Quasi mit links, ein paar Häppchen hier, ein bisschen dort, doch die Gedanken sind schon längst woanders. Lernen braucht (neben einer guten Planung) vor allem Konzentration auf das, was Sie ganz neu in Ihren Kopf hineinbekommen wollen. Lernen braucht Wiederholungen – gerade bei uns Erwachsenen! Es kann sogar sein, dass Erwachsene Lerner mehr Wiederholungen brauchen!  Klar, das fühlt sich an, als ob Sie im Tief Ihrer Lernkurve verharren und es einfach nicht weitergeht. Je nachdem, wie neu oder komplex die Lerninhalte sind, braucht der Aufbau neuer Verknüpfungen in Ihrem Gehirn Zeit!

 

Zeiten einplanen

Werden Sie aktiv – tun Sie etwas damit!

Verbinden Sie Lerninhalte mit der Praxis. Das ist so simpel wie entscheidend für einen Lernerfolg. Sitzen Sie nicht nur da, um etwas zu hören oder zu lesen oder sich Videos anzuschauen. Testen Sie, probieren Sie es munter aus und ja, Fehler gehören beim Lernprozess unbedingt dazu! Werden Sie in viele Richtungen aktiv: sprechen Sie über das, was Sie gelernt haben. Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie verstanden haben – und was noch offen ist. Diskutieren Sie mit anderen, schreiben Sie, kritzeln Sie, machen Sie sich Notizen, das alles hilft bei der Verarbeitung und bringt Dynamik in Ihre Lernkurve!

Werden Sie zum Wadenbeisser!

Was unbedingt dazugehört, ist das Dranbleiben. Ich nenne es gerne das positive Wadenbeisser-Tun. Geben Sie nicht auf, sondern atmen Sie erst einmal durch. In fast jedem Lernprozess gibt es diesen Moment, in dem Sie das Gefühl haben, dass Sie auf der Stelle treten, obwohl Sie lernen und sich anstrengen. Das ist frustrierend. Bleiben Sie dran, gerade jetzt, wenn es schwierig wird und Sie herausgefordert sind. Werfen Sie einen Blick zurück, was Sie schon erreicht haben. Suchen Sie sich Sparringspartner, um sich auszutauschen. Ihr Gehirn braucht einerseits diese Herausforderung – idealerweise in Form eines konkreten Ziels. Es sollte natürlich reell erreichbar sein. Von da kommt die Motivation, um Stück für Stück voranzukommen. Übrigens, Ihr Gehirn belohnt Sie, wenn Sie hartnäckig dranbleiben. Wenn Sie eine Herausforderung gemeistert haben, fühlen Sie sich beschwingt, erleichtert und trauen sich so die nächste Etappe zu.

Wenn ich ein Genie wäre, ja dann….

Werden Sie hellhörig, wenn Sie sich sagen hören: „Ach, dafür bin ich nicht talentiert.“ Meistens ist es eine Ausrede Ihres Gehirns, sich eben nicht ins Zeug zu legen, sondern eher auf die faule Haut. Es ist eine sehr praktische Ausrede. Was oft vergessen wird: alle Genies und die überragenden Talente haben geübt, geprobt, trainiert und getüftelt, bis sie erfolgreich geworden sind. Doch das übersehen wir gerne. Die Idee, dass jemandem eine Gabe in die Wiege gelegt wurde und er oder sie es dadurch ganz leicht hatte, an die Spitze zu kommen, trifft zu 98% eben nicht zu. In der Regel ist ein langer und ausdauernder Einsatz das Mittel, um so viel zu erreichen.

Extra-Tipp – bleiben Sie nicht allein!

Lernen Sie nicht nur allein für sich! Tauschen Sie sich aus, denn Ihre Synapsen – die Verbindungen zwischen Ihren Nervenzellen – sind aktiver, wenn Sie zusammen mit anderen lernen. Zusammen mit anderen bedeutet auch, dass Oxytocin ausgeschüttet wird, das macht Ihre Synapsen noch flexibler und die Lerninhalte werden besser weitergeleitet und intensiver verankert!

Gemeinsam lernen

Fazit: Sie können sich gut auf Neues vorbereiten, indem Sie am besten täglich etwas dazulernen. Ihr Gehirn bleibt so flexibel, gerät weniger schnell in Stress und kann Veränderungen und das Auf- und Ab Ihrer Lernkurve deswegen besser meistern.

Wenn Sie mehr über die Rahmenbedingungen für das Lernen wissen wollen, können Sie ein Seminar für das Unternehmen oder ein Coaching für sich als Privatlerner buchen. Hier können Sie einen kostenfreien Gesprächstermin vereinbaren.